Das zugeschlagene "große Heft": Zum Tod von Ágota Kristóf

Neuchâtel. Die vielfach ausgezeichnete ungarisch-schweizerische Schriftstellerin Ágota Kristóf (Foto: Keystone) ist in der Nacht zum Mittwoch mit 75 Jahren in ihrem Schweizer Wohnort Neuchâtel nach langer Krankheit gestorben

Neuchâtel. Die vielfach ausgezeichnete ungarisch-schweizerische Schriftstellerin Ágota Kristóf (Foto: Keystone) ist in der Nacht zum Mittwoch mit 75 Jahren in ihrem Schweizer Wohnort Neuchâtel nach langer Krankheit gestorben. Kristóf, die alle ihre Werke auf Französisch geschrieben hat, wurde vor allem durch ihren 1987 erschienenen Antikriegsroman "Le grand cahier" ("Das große Heft") bekannt. Ihre Werke wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt.Kristóf war kurz nach dem antisowjetischen Ungarn-Aufstand von 1956 mit Ehemann und Kind in die Schweiz geflohen. Geboren wurde sie 1935 im westungarischen Csikvánd. In der Schweiz begann sie ab 1978 zu schreiben, zunächst Hörspiele. "Das große Heft", das ihren Durchbruch in Europa begründete, bildet mit den Romanen "Der Beweis" und "Die dritte Lüge" eine Trilogie. In Deutschland erschienen zuletzt Kristófs Kurzprosa-Stücke unter dem Titel "Irgendwo. Nouvelles". Kritiker lobten daran den kargen, minimalistischen Stil sowie das thematische Spiel mit Grausamkeit und Naivität. Ihre Biografie verarbeitete Kristóf in dem ebenfalls hochgelobten Roman "Die Analphabetin", in dem es um ihre Kindheit und Jugend im kommunistischen Ungarn sowie um die Begegnung mit der für sie neuen französischen Sprache in ihrer Wahlheimat Schweiz ging. dpa