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Das wohltönende Dutzend

Sie sind Teil der Berliner Philharmoniker, als Ensemble aber fast so berühmt wie ihr Orchester: die 12 Cellisten. Zu ihrem Repertoire zählen klassische wie Neue Musik, für sie komponierte Werke, doch sie spielen in der ganzen Welt auch Jazz, Chansons und Pop-Arrangements. Am Sonntag, 22. März, sind die 12 Cellisten in der Neunkircher Gebläsehalle zu Gast. SZ-Redakteur Oliver Schwambach sprach mit Cellist Martin Menking, der seit 1996 auch die Herausforderung bewältigt, die Konzerte mit seinen elf Kollegen zu organisieren.

Die Berliner Philharmoniker haben eigentlich 14 Cellisten , als Ensemble halten Sie sich aber streng ans Dutzend. Wie organisieren Sie, wer spielt und wer nicht?

Menking: Als das Ensemble gegründet wurde, waren es 12. Im Laufe der Jahre ist die Gruppe dann vergrößert worden, so dass wir jetzt alle 14 Stellen im Orchester besetzt haben - seit einigen Monaten aber erst. Das ist auch für uns eine neue Situation. Früher waren wir froh, dass wir überhaupt alle 12 zusammen bekamen, jetzt wollen alle gern mitspielen, weil das allen auch viel Spaß macht. So müssen wir auch mal losen, wer zu Hause bleibt.

In anderen Ensembles gibt es gewisse Hierarchien, man hat etwa einen Primarius. Bei 12 gleichen Instrumenten ist das ja nicht von vorneherein klar, wer gibt bei Ihnen den Ton an?

Menking: Wir haben im Orchester zwei erste Solo-Cellisten, Ludwig Quandt und Bruno Delepelaire, die versuchen natürlich auch in der Probe den Ton anzugeben. Eine gewisse Disziplin muss ja sein, und jemand muss sich dafür verantwortlich fühlen. Das macht meistens Ludwig Quandt, sozusagen als Klassenältester. Aber jeder darf auch sagen, was er will. Manchmal ist es dann wie auf dem arabischen Basar, aber dann kommt irgendwann doch die Linie rein, und es wird sehr konzentriert geprobt.

In den Anfangsjahren gab es fast keine Literatur für diese sehr spezielle Besetzung außer dem "Hymnus" von Julius Klengel, der sozusagen beim Urkonzert der 12 Cellisten in Salzburg 1972 gespielt wurde. Viele Werke sind aber inzwischen für Sie entstanden: Es scheint, viele Komponisten haben geradezu auf diese Formation gewartet.

Menking: Ein wenig wundert es uns auch, dass so viele Komponisten für uns schreiben, weil man mit einem Klavier- oder Orchesterwerk sicher mehr Menschen erreichen kann. Aber Komponisten, das hören wir jedenfalls von ihnen, schätzen wohl die Herausforderung dieser Besetzung, weil es eine Klangfarbe ist, die es sonst nirgendwo gibt. Und weil man für zwölf gleichwertige Stimmen etwas schreiben kann, die aber fünf Oktaven Tonumfang zur Verfügung haben.

Als 12 Cellisten spielen Sie Filmmusik, Chansons, Jazz, Elvis-Titel, das, was einem Berliner Philharmoniker sonst kaum aufs Notenpult käme. Und in Ihren Videos sieht man Sie in weißen Dinner Jackets quasi als Salonmusiker. Wie verträgt sich das mit mit dem hohen Ansehen eines Philharmonikers?

Menking: Die Berliner Philharmoniker haben auch schon mit Reinhard Mey oder den Scorpions Abenteuer gewagt. Aber das ist ja auch gerade das Schöne, dass man mal aus dem Alltag ausbrechen kann. Das genießt auch das Publikum, wenn wir den "Pink Panther" spielen. Wobei es schon eine Gratwanderung ist, unser Publikum richtig zu versorgen: Die einen möchten, dass wir mehr seriöse Stücke spielen, die anderen wollen nur Unterhaltung.

Wenn Sie das Publikum der Philharmoniker und der 12 Cellisten vergleichen, unterscheidet sich das stark?

Menking: Nicht wirklich. Manchmal, wenn wir mit dem Orchester unterwegs sind, nutzen die Veranstalter die Gunst der Stunde und engagieren uns noch mit, da keine zusätzlichen Reisekosten entstehen. Dann haben wir als Cellisten und als Orchester teilweise das identische Publikum. Und wenn wir dann mit den Cellisten spielen und einen Abend später das Orchester , vergleichen wir schon mal den Applaus und sagen dann: ,Bei uns haben sie gestern aber lauter getobt.‘

Am 11. Mai wählen die Berliner Philharmoniker ihren neuen Chefdirigenten, den Nachfolger von Sir Simon Rattle . Einen Tipp werde ich Ihnen gewiss nicht entlocken können; die Wahl ist so geheim wie die Papst-Wahl. Wie lange dauert es bei Ihnen, bis weißer Rauch aufsteigt?

Menking: Beim vorigen Mal war die Wahl viel klarer. Jetzt ist es ein großes Abenteuer, und es kann lange dauern, bis weißer Rauch aufsteigt. Doch wir werden uns auf jeden Fall die Zeit nehmen, die es braucht, denn es ist eine sehr zentrale Entscheidung.

Aber Sie gehen tatsächlich in eine Art Klausur?

Menking: Ja, das stimmt schon. Die Handys müssen aus bleiben, und für diesen Tag nimmt sich keiner von uns sonst noch was vor.

Konzert: 22. März, 20 Uhr, Gebläsehalle Neunkirchen. Karten: Tel. (06 81) 97 61 00.

www.musikfestspiele-saar.de