Kolumne So kann’s gehen: Das Wacken der Bürofachangestellten

Kolumne So kann’s gehen : Das Wacken der Bürofachangestellten

Weihnachtsmärkte und Hardrock-Festivals haben manchmal mehr gemeinsam, als man glaubt.

Kaum sind die ersten grauen Herbstwolken über Saarbrücken zu sehen, da beginnt bei vielen die Vorfreude auf den Weihnachtsmarkt.

Dieser Duft von gerösteten Maronen. Besinnlichkeit. Zeit der Nächstenliebe, Zeit der inneren Einkehr. Von wegen! Weihnachtsmärkte sind längst zu kitschigen Kommerzveranstaltungen verkommen. Überlaufen, überteuert und mit Ballermann-Charme statt Besinnlichkeit.

Ein Freund von mir sagt immer, Weihnachtsmärkte seien das Wacken der Bürofachangestellten. Und er hat recht. Ich erinnere mich an eine Nerd-Clique an meiner Schule. Einmal im Jahr verhielten die Computerfreaks sich immer sonderbar. Sie waren hibbelig, schmierten sich schwarze Farbe ins Gesicht und verschwanden für ein paar Tage. Es war Wacken. Dieses riesige Heavy-Metal-Festival, das jedes Jahr in Schleswig-Hol­stein stattfindet. Die Nerds setzten sich dort ausnahmsweise direktem Sonnenlicht aus. Sie legten ihre Magic-Karten für mehrere Stunden aus der Hand, tranken literweise Honigwein und fühlten sich wie Wikinger.

Ein ähnliches Verhalten beobachte ich seit Jahren bei befreundeten Bürokauffrauen und -männern, wenn Weihnachtsmarkt ist. Sie wirken wuselig, halten sich entgegen ihrer Gewohnheiten mehrere Stunden am Stück im Freien auf und trinken einen Schluck mehr als sie vertragen. Allerdings Glühwein, keinen Honigwein. Wacken ist weit weg. Der Weihnachtsmarkt liegt hingegen auf meinem täglichen Weg zur Arbeit. Ich kann ihm nicht entfliehen. Deshalb mein Vorschlag: ein einziger riesiger Weihnachtsmarkt für alle Bürofachangestellten in der ganzen Republik. Gerne weit weg. Das Wacken-Open-Air ist im August. In der Adventszeit könnte man das Gelände problemlos anderweitig nutzen.