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Der Erfolg des Musik-Streamings
Das Internet ist besser als jede Jukebox

Musik-Streaming funktioniert auch auf dem Handy.
Musik-Streaming funktioniert auch auf dem Handy. FOTO: dpa / Jens Kalaene
Berlin/Stockholm. Immer und überall jedes Lied der Hitparade hören? Früher war das unvorstellbar. Teenager verbrachten unzählige Stunden in Plattenläden, um neue Alben zu entdecken. Von Jenny Tobien, Andrej Sokolow und dpa

Kam ein Lieblingssong im Radio, wurde er hektisch aufgenommen. Und die Stammkneipe wurde nicht selten nach der besten Jukebox ausgewählt. Doch dann kam das Internet, das die Musikindustrie komplett umkrempelte.


Mit der Erfindung des MP3-Formats in den 90er Jahren konnte jegliche jemals aufgenommene Musik im Internet landen – als Raubkopie an den einst übermächtigen Plattenfirmen vorbei. Die Musiktauschbörse Napster wurde zum Symbol für die neue Ära. Als das Geschäftsmodell der Industrie sich aufzulösen schien, gewann Apple Verbraucher für die Idee, einzelne Lieder für 99 Cent herunterzuladen. Der nächste Schritt war das Streaming, bei dem die Titel gar nicht erst auf dem Gerät gespeichert werden müssen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt werden.

Der Erfolg dieses Modells ist stark mit dem sogenannten „Fremium“-Modell verbunden, das auch den schwedischen Anbieter Spotify groß machte. Der Dienst kann einerseits kostenlos genutzt werden. Dann werden zwischen den Liedern immer wieder Werbeblocks gesendet. Andererseits gibt es eine Bezahl-Variante, die ohne Werbung auskommt. Das kostenlose Angebot soll die Nutzer auf die Plattform locken und davon überzeugen, für ein Abo zu bezahlen.



Ein Nachteil des Konzepts war, dass Künstler und Musikkonzerne Geduld haben und sich über Jahre mit mageren Erlösen aus Gratisangeboten begnügen mussten. Musiker wie Talking-Heads-Frontmann David Byrne oder Thom Yorke von Radiohead beschwerten sich über mickrige Vergütung für Millionen von Abrufen, Pop-Sängerin Taylor Swift zog zeitweise medienwirksam ihre Musik von verschiedenen Anbietern von Musik-Streaming ab.

Auf lange Sicht hat sich das Modell jedoch als erfolgreich erwiesen. Spotify hat heute 83 Millionen zahlende Abo-Kunden bei 180 Millionen Nutzern insgesamt. Damit ist der schwedische Dienst die klare Nummer eins im Streaming-Geschäft. Er liegt sogar vor Apple, dessen Konkurrenzdienst getragen vom iPhone-Marktanteil auch ohne eine Gratis-Version auf mehr als 50 Millionen Abo-Kunden kommt. Dank des Erfolgs der Streaming-Angebote wachsen auch die Gesamtausgaben der Verbraucher für Musik nach langer Durststrecke wieder. Im Sommer dieses Jahres wurde mit Streaming erstmals mehr Geld eingenommen als mit verkauften CDs.