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Das Schönste aus zwei Ländern

Saarbrücken. Noch bis Montag werden die nominierten Werke des Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreises 2016 in Montreuil vorgestellt. Verliehen wird der Preis dann im Mai in Saarbrücken. Ein Blick auf die Bücher und auf den Preis. Ruth Rousselange

Bricht die beste Tante der Welt beim Vorlesen in Tränen aus, schwant Nichte und Neffe, dass da was im Busch ist. Unverkrampft in Text wie Bild widmet sich Anette Beckmanns und Marion Goedelts "Carlotta Henri und das Leben. Tante Uli ist verliebt und vermehrt sich" dem Thema Aufklärung. Spannend und wunderschön illustriert vom bewährten Klaus Ensikat ist Meike Roth-Becks "Von Martin Luthers Wittenberger Thesen". Ungewöhnlich in der Herangehenswiese berichtet "Geteilte Ansichten" (herausgegeben von Julia Balogh und Birgit Murke) von Deutscher Einheit und Ex-DDR, jugendliche Reporter der Literaturinitiative Berlin befragen dazu Prominente.

Drei der nominierten Titel sind das aus der Shortlist des Deutsch-Französischen Jugend-Literaturpreises 2016, die bis Montag beim "Salon du livre et de la presse jeunesse Seine-Saint-Denis" in Montreuil (Paris) vorgestellt werden. Fantasievoll verspielt, künstlerisch aufwendig und voll spaßiger Ideen sind die französischen Titel wie Laëtitia Devernays "Bestiaire mécanique" mit poetischen Tier-Maschine-Assoziationen oder Camille Gautiers und Jeanne Detallantes opulentes "Cabinet de curiosités", ein Inventar bizarrer Wunderkammern, vollgepfropft mit Exotischem, Unheimlichem und Schönem aus Natur und Kunst.

Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis ist ein Zweistaatenpreis. Vergeben wird er von der Stiftung für deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit gemeinsam mit der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse für je ein herausragendes, zeitgenössisches deutsch- und französischsprachiges Werk, erklärt Yvonne Rech, Geschäftsführerin der Messe. Viel habe der Preis, der 2016 zum vierten Mal verliehen wird, Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zu verdanken. Sie hatte der Idee spontan zugestimmt und die Schirmherrschaft übernommen, die sie auch dieses Jahr inne habe, ebenso der französische Botschafter in Berlin, Philippe Etienne.

Die Preisidee kam von Rech selbst: "Ich hegte sie schon lange, weil ich es für wichtig und notwendig halte, dass Länder, die so dicht beieinander liegen, von der Kinder- und Jugendliteratur des anderen erfahren. Dann hat die Literatur Vermittlerfunktion." Dieses verbindende Element sei ein primäres Ziel des Preises, auch vor dem Hintergrund der Frankreich-Strategie der Regierung. Natürlich sei die merkantile Schiene ebenso von Bedeutung - Bücher sollten ja gekauft und gelesen werden, Übersetzer finden, bisher unbekannte Jugendbuchautoren gefördert werden. Eine Kommunikation auf breiter Ebene solle entstehen. Weshalb man anstrebe, die Siegertitel in die Sprache des Nachbarlandes zu übersetzen. Mit dem 2014 ausgezeichneten Finn-Ole Heinrich und seiner "Maulina Schmitt" habe das bereits geklappt.

Dotiert ist der Preis mit 8000 Euro, eine unabhängige elfköpfige Jury aus Autoren, Journalisten, Übersetzern und Literaturwissenschaftlern, von Stiftung und Messe gewählt, sucht aus den Neuerscheinungen sechs deutsch- und sechs französischsprachige Titel aus. Die Jury legt den Themenschwerpunkt fest, diesmal lautet er Sachbuch. "In Montreuil ist es gerade sehr schlimm, die Schulen kommen nicht", erzählt Rech, "es herrscht eine gähnende Leere." Alles stehe im Zeichen der Anschläge von Paris, aber Präsenz zeigen wollte das Messeteam trotzdem oder gerade jetzt. "Die Kinder haben ein Recht auf ihre Träume, Gedanken und Fantasien, die sie in Büchern wiederfinden können, auch in dieser schrecklichen Zeit."

Die Preisverleihung findet am 20. Mai 2016 auf der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken statt. Informationen zu den Titeln und dem Preis: www.buchmesse-saarbruecken.eu