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Das schöne WunderkindOrchester im Einsatz

Saarbrücken. Wenn jemand ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde als schnellster Geiger der Welt gelingt, weil der Hummelflug in knapp 65 Sekunden gegeben wurde, jubeln die Feuilletons nicht. Denn Massentaugliches scheint mit Hochkultur unvereinbar zu sein. Doch mit Schubladendenken wird man dem Phänomen David Garrett nicht gerecht

Saarbrücken. Wenn jemand ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde als schnellster Geiger der Welt gelingt, weil der Hummelflug in knapp 65 Sekunden gegeben wurde, jubeln die Feuilletons nicht. Denn Massentaugliches scheint mit Hochkultur unvereinbar zu sein. Doch mit Schubladendenken wird man dem Phänomen David Garrett nicht gerecht. Er schafft das, wonach der Klassikbetrieb lechzt: Die jungen Leute kommen in Scharen ins Konzert, auch wenn der 27-Jährige ihnen manch Sperriges bietet - etwa eine späte Violinsonate von Beethoven als Einstieg. Der Geiger mit der Beach-Boys-Optik ist ein klassisches Wunderkind: Mit vier Jahren erhielt er ersten Violin-Unterricht, mit 13 folgte ein Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon. Studiert hat er bei Zakhar Bron, Ida Haendel und Itzhak Perlman.Garrett hat lang gekämpft, um die für ihn charakteristischen Crossover-Projekte zwischen Klassik und Pop zu realisieren. Seine Ausbildung als Komponist kommt ihm dabei zugute. Auf seinen Alben "Virtuoso" und "Encore", beide waren in den Charts, präsentiert er sich mit eigenen Stücken - sie sind auch bei Garretts Auftritt im Rahmen der Musikfestspiele zu hören. Im ersten Teil wird es jedoch Bewährtes aus der Schatzkiste der Violinliteratur geben. Schließlich will er alle glücklich machen. sad


Konzerte: 14. Juni, 20 Uhr,

E-Werk Saarbrücken. 8. Juli, 20 Uhr, Alte Schmelz St. Ingbert.

www.saarbruecker-

zeitung.de/musikfestspiele



Berlin. Ungewohnte Anblicke am Mittwoch in der Berliner Philharmonie: Wo die Besucher sonst im Abendanzug Brahms und Beethoven lauschen, tragen jetzt viele einen militärischen Dienstanzug. Der Verkäufer am CD-Stand spricht vom "befohlenen Einsatz" des Orchesters. Zum ersten Mal tritt das Musikkorps der Bundeswehr im bedeutendsten deutschen Konzertsaal auf, und zwar als Gast der Musikfestspiele Saar, die mit diesem Konzert auch in der Hauptstadt bekannter werden wollen.

Das Orchester spielt vor allem Kompositionen von John Philip Sousa (1854-1932), der viele Märsche für das US-Heer geschrieben hat. Doch mit Militärischem kann man den Berlinern nach zwei Weltkriegen und einem kalten Krieg nicht mehr kommen: Die Ränge sind leer, nur Block A ist halbwegs gut gefüllt, aber auch erst nach der Aufforderung (oder Befehl?) eines Oberstabsfeldwebels an alle Besucher, doch nach unten zu kommen. Dieses Orchester hat Besseres verdient. Natürlich spielen die Musiker so wie erwartet: zackig, diszipliniert, forsch. Doch es gibt mehr als Marschmusik: Posaunist Jiggs Whigham zeigt in einer selbst komponierten Suite die leisen, fast erotischen Seiten seines Instruments. Oberstleutnant Walter Ratzek ist mit der Dreifachrolle als Dirigent, Moderator und Klaviersolist nicht überfordert, aber überfrachtet. Doch die Gefahr, dass sein Orchester, das bis auf einen Kontrabassisten nur aus Bläsern und Schlagwerk besteht, grobschlächtig plärrt, umschifft er elegant. uba