Das Raumschiff und die Selbsthilfegruppe

Das Raumschiff und die Selbsthilfegruppe

„Zweisitzrakete“, eine Komödie mit märchenhaften Zügen, eröffnet am Montag im Cinestar das Festival. Hans Hofer hat sie mit leichter Hand inszeniert.

Der Start des Festivals wird turbulent und märchenhaft. Der Wiener Regisseur Hans Hofer, ein gebürtiger Südtiroler, legt mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm eine Geschichte vor, die er selbst als "romantisches Märchen" bezeichnet. Im Mittelpunkt der Komödie steht Manuel (Manuel Rubey), der sich als Fotograf für die Wiener Bezirkszeitung durchs Leben schlägt. Seine beste Freundin ist die Dolmetscherin Mia (Alissa Jung), mit der er viel Zeit verbringt, Pläne macht (sie wollen irgendwann mal nach NewYork) - und für die er schon lange viel mehr empfindet als nur Freundschaft. Gerade als Manuel ihr endlich seine Liebe gestehen will, eröffnet Mia ihm, dass sie sich in einen italienischen Piloten verliebt hat und mit ihm nach Rom ziehen will. Für Manuel bricht eine Welt zusammen. Sein Freund Detlev (köstlich: Simon Schwarz), der eine Selbsthilfegruppe für Männer leitet, macht ihm Mut. "Zeig einfach, dass Du der coolere Typ bist." Manuel schmiedet einen Plan: Er will Mia zurückerobern, indem er ihr einen Kindheitstraum erfüllt: Sie wollte immer mal zu den Sternen fliegen. Mit der alten, aber noch funktionstüchtigen Zweisitzrakete aus dem Technischen Museum Wien sollte das möglich sein. Doch wie an die Rakete rankommen?

Regisseur Hans Hofer wollte nach dem Abschluss seines Regiestudiums an der Filmakademie Wien mit seinem ersten Spielfilm "etwas Ausgefallenes machen, was es nicht alle Tage zu sehen gibt." Er sei von der Frage ausgegangen: Was könnte man Verrücktes tun, um eine Frau zu beeindrucken? Er selbst sei "eigentlich recht mutig, was Frauen angeht", meint er, aber Kollegen oder Freunde hätten da so ihre Schwierigkeiten. Deshalb habe er diese augenzwinkernde Komödie gedreht, die einen Mann zeigt, der Mut und Einfallsreichtum beweist. Im krassen Gegensatz dazu stehe die Selbsthilfegruppe, eine Ansammlung von Angsthasen - die allerdings im entscheidenden Moment ihre Ängste überwinden und Manuel helfen.

"Zweisitzrakete" ist eher leichte Kost, spielt mit Klischees und lebt vor allem von seinen Darstellern. Es sei zum Glück nicht schwierig gewesen, Simon Schwarz und Denis Moschitto zu bekommen, sagt Hofer, das Drehbuch habe ihnen sofort gefallen und so hätten sie schnell zugesagt. Hofer hat die Geschichte mit schönen, bunten Zeitlupen-Fantasiebildern angereichert, als "running gag" gibt es zwei sprechende Tauben im Stop-Motion-Verfahren (aus Einzelbildern kreiert), die für Witz und Wiener Schmäh sorgen. Durch diese Mittel hebt sich "Zweisitzrakete" von "normalen" Komödien ab und bekommt eindeutig märchenhafte Züge.

Zur Eröffnung des Ophüls-Preises bringt Regisseur Hans Hofer seine Kamerafrau Leena Koppe und die Darsteller Manuel Rubey, Alissa Jung und Alexander Jagsch nach Saarbrücken mit. "Auch Simon Schwarz will kommen", sagt Hofer, "er reist mittags aus Istanbul via Frankfurt an, wir hoffen sehr, dass er es pünktlich schafft."

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