Kräuter im Haus ziehen Das Kräuterbeet für die Wohnung

Berlin · Wer sich auch im Winter selbst mit Kopfsalat und Kresse versorgen will, kann das mit Indoor-Gärten tun – drei Modelle im Test.

 Indoor-Gärten sind für die Kräuterzucht gut geeignet. Nach wenigen Wochen kann geerntet werden. Bei Salaten und dem chinesischen Kohl Pak Choi ist die Ausbeute aber gering: Es gab nur ein paar Blätter wöchentlich.

Indoor-Gärten sind für die Kräuterzucht gut geeignet. Nach wenigen Wochen kann geerntet werden. Bei Salaten und dem chinesischen Kohl Pak Choi ist die Ausbeute aber gering: Es gab nur ein paar Blätter wöchentlich.

Foto: dpa-tmn/Franziska Gabbert

() Sie heißen Smart- oder Indoor-Garten, passen aber so recht in keine Kategorie: Pflanzsysteme fürs Haus mit speziellen Lampen, die für Gemüse und Kräuter das Tageslicht ersetzen, sollen die Ernte auch im Winter möglich machen.

Die Geräte „Smart Grow 6“ von Bosch und „Smart Garden Click and Grow“ von Emsa versorgen Pflanzen über einen integrierten Tank mit Wasser und sind mit einer Zeitschaltuhr ausgestattet. Der Namensbeisatz „smart“ bei den Vollautomaten ist kein Hinweis auf eine Smart-Home-Anwendung: Die Geräte sind nicht mit dem Internet verbunden und auch nicht übers Smartphone steuerbar. Dazugehörige Apps dienen lediglich der Information. Als drittes Modell wurde die Lampe Växer von Ikea getestet, die sich in eine Halterung integrieren oder alleine verwenden lässt. Da ein passender Kasten nicht zur Verfügung stand, musste improvisiert werden. Die Lampe wurde an einem Überbau montiert.

 Das Bosch-Gerät ist mit 149,99 Euro für das System mit drei Pflanznischen und mit 249,99 Euro für das Sechser-Modell das teuerste. Emsas Gerät mit drei Pflanzstellen kostet 99 Euro, das Neuner-Modell 199,99 Euro. Die Leuchten von Ikea gibt es für 35 Euro. Im Baumarkt gibt es ähnlich preisgünstige Modelle. Während hier Hobbygärtner Saatgut aus dem Handel in einen Kasten mit Erde stecken, sind für die vollautomatischen Systeme spezielle Pflanzkapseln nötig. Die Kosten bei Emsa und Bosch belaufen sich auf 9,99 Euro für je drei Kapseln einer Pflanzenart. Dafür wird weder Substrat noch ein extra Gefäß benötigt.

Bei den automatischen Pflanzsystemen erhalten die Sämlinge Wasser über einen Tank, der anfangs wochenlang nicht nachgefüllt werden muss, weil die Pflanzen noch ganz klein sind. Später muss man alle paar Tage auffüllen. Nährstoffe erhalten die Pflanzen bei Emsa über Zusatzstoffe in den Kapseln, bei Bosch kommt ein Granulat ins Wasser. Die Pflanzlampen in den beiden Geräten arbeiten in einem Rhythmus von 16 Stunden Beleuchtung und acht Stunden Pause. Dieser lässt sich an den üblichen Tag-Nacht-Rhythmus anpassen, bei Bosch ist auch ein Urlaubsmodus für verringertes Wachstum möglich. Dagegen liefert die Ikea-Lampe nur Licht. Damit man einen zu den Vollautomaten vergleichbaren Tag-Nacht-Rhythmus hinbekommt, kann man eine Zeitschaltuhr zwischenschalten.

Schon nach wenigen Wochen ließen sich bei den Geräten frische Kräuter ernten. Bei Bosch und Emsa überzeugt die nahezu automatische Pflege. Man muss kaum etwas selbst tun, auch die Sämlinge zu vereinzeln und umzusetzen entfällt. Aber auch die einfachere Anzuchtvariante mit der Ikea-Lampe funktioniert schnell, nur müssen die Jungpflanzen aufgrund der Leuchte häufiger gegossen werden als üblich. Die weitere Pflege entsprach der Pflege eines normalen Gemüsebeets oder Balkonkastens.

Tagsüber fallen die Geräte kaum auf, es sei denn, man sitzt direkt daneben. Dann blendet die intensive Beleuchtung auf Sitzhöhe. Wird es dunkel, fällt die Beleuchtung dagegen extrem auf und stört – besonders im offenen Wohnraum. Nutzer sollten sie daher am besten in Räumen aufstellen, die wenig genutzt werden, oder wo der Lichtschein weniger stört – zum Beispiel in einer Nische oder Abstellkammer. Danach gefragt, hat auch der Hersteller Emsa einen Tipp: Über den integrierten Timer könne der Beleuchtungszyklus den persönlichen Präferenzen angepasst werden.

Die Pflanzsysteme funktionieren so gut, dass die Kräuter regelmäßig geerntet werden müssen, die Tester allerdings brauchten gar nicht so viele Kräuter im Alltag. Die Pflanzen wuchsen daher zu hoch. Bosch rät, so oft zu ernten, dass zwischen den Pflanzen und den Lampen rund fünf Zentimeter Abstand bleibt. Emsa empfiehlt fünf bis zehn Zentimeter.

Die Anbieter versprechen einen Kräutergarten in der Küche mit einer Ernte das ganze Jahr über – und halten es. Alle Pflanzleuchten lieferten gute Ergebnisse. Und Nutzer wissen, woher die Kräuter stammen und dass sie frei von Chemie sind. Trotzdem stellt sich die Frage, ob man die Pflanzsysteme und -leuchten wirklich braucht. Für die frische Ernte von Kräutern lassen sich kostengünstiger erntereife Küchenkräuter im Topf kaufen, die den Winter an der Fensterbank aushalten. Ihr Zuwachs hält sich zwar aufgrund des Lichtmangels in Grenzen, für den Grundbedarf reichen sie aus.

Große Erwartungen an die Ernte von Salaten darf man bei den vorgestellten Systemen nicht haben. Hersteller Emsa erklärt, dass die Menge nicht als volle Mahlzeit für eine Familie reicht, aber blattweise abgeerntet als Belag für belegte Brote passend sei. Bosch sagt, die Geräte seien eine Lösung für alle, die keinen geeigneten Ort für Blumentöpfe oder Beete haben – etwa Städter ohne Balkon oder Garten – und trotzdem ganzjährig frische Kräuter anbauen möchten.

Fazit: Die Geräte sind in der Tat eine Zusatzlösung für Menschen, die sich bestmöglich von Selbstproduziertem ernähren wollen. Zumindest ihren Kräuterbedarf können sie so auch an den dunkelsten Wintertagen selbst decken. Aber davon wird man nicht satt. Und drei Blätter pro Woche machen keinen leckeren Salat.

(dpa)
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