Das große Glück der kleinen Lieder

Das große Glück der kleinen Lieder

Luxemburg. Singen Sie noch? Oder lassen Sie sich bloß besingen - per Hifi-Anlage, I-Pod oder Küchenradio? Letzteres wäre zu bedauern.Und in diesem Falle müsste man dringend zum Besuch eines Liederabends der Herren Quasthoff, Schade und Zeyen raten. Danach, wie jetzt am Mittwoch in Luxemburg, will man nämlich nur noch eines: singen

Luxemburg. Singen Sie noch? Oder lassen Sie sich bloß besingen - per Hifi-Anlage, I-Pod oder Küchenradio? Letzteres wäre zu bedauern.Und in diesem Falle müsste man dringend zum Besuch eines Liederabends der Herren Quasthoff, Schade und Zeyen raten. Danach, wie jetzt am Mittwoch in Luxemburg, will man nämlich nur noch eines: singen.

Dabei leiden Liederabende sonst oft unter notorischem Publikumsschwund. Bei Thomas Quasthoff (Foto: dpa) und seinem Tenor-Kollegen Michael Schade aber ist der große Saal der Philharmonie proppenvoll. Was nicht wundert, kommen doch nicht bloß zwei Ausnahmesänger und ein nicht minder exzellenter Begleiter zusammen. Gerade weil Quasthoff und Schade ihre Kunst so ernst nehmen, können sie auch mal komisch sein. Und wenn sie gar zum Finale mit dem "Hobellied", den blühenden Praterbäumen und "Wien, Wien nur Du allein" das Wienerlied hochleben lassen, wird das auch zur Riesengaudi - mit verblüffend echtem wernerischem Zungenschlag.

Davor aber setzen sie Gewichtiges und mittlerweile in den Konzertplänen auch rar Gewordenes. Mendelssohn-Duette etwa - "Ich wollt, meine Lieb' ergösse sich" und das "Herbstlied". Schades eleganter, feiner, klarer Tenor erweist sich da als ideale Ergänzung zu Quasthoffs kräftig-kernigem Bariton, dem alles Gekünstelte fremd ist. Wie fein sie beide die Melodiebögen spannen, wie sensibel, geistreich und gewitzt die Verse ausgekostet werden, das sind fürwahr Sternstunden des Liedgesangs.

Manchmal will Schade zwar ein bisschen viel Effekt, viel Schmelz, doch Schumanns "Mondnacht" webt er in solchen Stimmzauber, dass selbst ein Quasthoff sich hernach anstrengen muss. Doch in Brahms "Wie bist du, meine Königin" schmiegt er sich mit seiner Stimme an jedes Wort. Ja, das ist Sangeslust. oli