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Das Geld der Aktionäre

Meinung. Zurzeit ballen sie sich wieder - die Hauptversammlungs-Termine börsennotierter Aktiengesellschaften. Allein in den kommenden zwei Wochen kommen die Eigentümer von knapp 100 Unternehmen zusammen. Fester Bestandteil ist der Beschluss, welche Dividende die Aktionäre für ihr eingesetztes Kapital erhalten Von Lothar Warscheid

Zurzeit ballen sie sich wieder - die Hauptversammlungs-Termine börsennotierter Aktiengesellschaften. Allein in den kommenden zwei Wochen kommen die Eigentümer von knapp 100 Unternehmen zusammen. Fester Bestandteil ist der Beschluss, welche Dividende die Aktionäre für ihr eingesetztes Kapital erhalten. Viele Firmen - vor allem die 30 Konzerne, die im Deutschen Aktienindex (Dax) gelistet sind - geizen trotz Wirtschaftskrise nicht mit Geld. Bis auf die Commerzbank und den Rückversicherer Hannover Rück zahlen alle Dax-Gesellschaften Dividende. Dabei fragen sich gerade jetzt viele, ob man die Mittel nicht in den Unternehmen belassen und sie in Krisenzeiten dazu verwenden sollte, Arbeitsplätze zu sichern oder zu schaffen. Prominente Sozialdemokraten - allen voran Parteichef Franz Müntefering - diskutieren die These mit Herzblut. Für diese Ansicht kann man vor dem Hintergrund der sozialen Verantwortung von Unternehmen für ihre Mitarbeiter durchaus Verständnis haben, falls sichergestellt ist, dass das nicht ausgeschüttete Geld sinnvoll - also zukunfts- und damit renditeorientiert - eingesetzt werden kann. Und wenn die Deutsche Bank erneut ein Renditeziel von 25 Prozent ins Visier nimmt, zeugt das angesichts der Krise, die eigentlich durch die Gier der Finanzmärkte ausgelöst wurde, nicht gerade von Fingerspitzengefühl.Auf der anderen Seite wurden die Dividenden, die jetzt gezahlt werden, in Zeiten erwirtschaftet, in denen es vielen Konzernen noch richtig gut ging. Die Aktionäre, die ihnen ihr Geld anvertraut und Risiko getragen haben, sollen daher nicht leer ausgehen. Firmen, die seit längerem in Schwierigkeiten stecken - wie beispielsweise der Handelskonzern Arcandor (Karstadt-Quelle) oder der Reifenhersteller Continental - haben ihre Dividenden-Zahlungen bereits eingestellt. Allein von den Gesellschaften, die in den kommenden zwei Wochen ihre Hauptversammlungen abhalten, werden ein gutes Drittel keinen Gewinn ausschütten. Für das laufende Geschäftsjahr stellen sie ebenfalls eine Null-Dividende in Aussicht. Außerdem muss man bedenken, dass sich nicht nur reiche Privatpersonen am Aktienmarkt tummeln, die dividendenlose Jahre und Kursverluste locker wegstecken. Immerhin besitzen rund 9,3 Millionen Deutsche Aktien und Fonds, in denen Firmenpapiere enthalten sind. Darüber hinaus speisen sich Überschussbeteiligungen von Lebens- oder Rentenversicherungen - zumindest zum Teil - aus Gewinnen an der Börse. Unternehmen sind auch in Zeiten der Krise nicht nur ihren Mitarbeitern, sondern auch ihren Eigentümern verpflichtet.