"Das Autofahren nicht verteuern"

"Das Autofahren nicht verteuern"

Herr Wissmann, die Abwrackprämie hat 2009 die Autobranche gerettet. Wie düster wird 2010?Wissmann: Wir dürfen nicht nur den Inlandsmarkt sehen: Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise brachen die automobilen Märkte in einem bislang ungekannten Ausmaß ein. Wir haben zwar in vielen Ländern Marktanteile gewinnen können, aber unser Export wurde schwer gebeutelt

Herr Wissmann, die Abwrackprämie hat 2009 die Autobranche gerettet. Wie düster wird 2010?Wissmann: Wir dürfen nicht nur den Inlandsmarkt sehen: Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise brachen die automobilen Märkte in einem bislang ungekannten Ausmaß ein. Wir haben zwar in vielen Ländern Marktanteile gewinnen können, aber unser Export wurde schwer gebeutelt. Die Neuregelung der Kfz-Steuer und die Umweltprämie haben die Inlandsnachfrage stabilisiert. 2009 dürfte ein Neuzulassungsvolumen von über 3,8 Millionen Pkw gebracht haben. Das ist ein Plus von rund einem Viertel. Im diesem Jahr erwarten wir zwischen 2,75 und drei Millionen Neuzulassungen. Das ist ein Niveau, das nur wenig unter dem langjährigen Durchschnitt des Pkw-Inlandsmarktes liegt.Rechnen Sie mit einem massiven Beschäftigungsabbau?Wissmann: Es ist bisher gelungen, die Stammbelegschaften in den Unternehmen so weit wie möglich zu halten. Die durchschnittliche Beschäftigung lag in den ersten neun Monaten des letzten Jahres nur drei Prozent unter dem Vorjahr. Wenn die internationalen Märkte 2010 wieder langsam anziehen, kann sich dies stabilisierend auch auf die Beschäftigung auswirken. Klar ist aber auch, dass dieses Jahr besondere Herausforderungen für die Beschäftigung in der deutschen Automobilindustrie bereithalten wird. Leicht wird es nicht. Kann die Bundesregierung etwas tun, um die Entwicklung auch diesmal wieder abzufedern?Wissmann: Wir haben nicht nach Subventionen gerufen und tun das auch jetzt nicht. Allerdings sollte die Politik alles vermeiden, was das Autofahren verteuert.Wie hart wird der Preiskampf im Autosegment werden?Wissmann: Der Wettbewerb ist schon jetzt messerscharf. Andererseits passen unsere Hersteller ihre Kapazitäten der veränderten Nachfrage an. Das beste Rezept gegen "Rabattitis" sind neue, attraktive Produkte. Und diese bringen unsere Unternehmen in erheblichem Umfang auf den Markt. So bieten die deutschen Hersteller rund 100 Modelle mit einem Verbrauch von weniger als fünf Liter pro 100 Kilometer an. Was werden die Neuerungen, die Überraschungen des Jahres sein?Wissmann: Unsere CO2-Offensive geht weiter. In neun von zehn Fahrzeugsegmenten haben die deutschen Hersteller schon jetzt niedrigere CO2-Werte als unsere Wettbewerber. Vom geringeren Kraftstoffverbrauch profitiert der Kunde an der Zapfsäule. Auch bei der Sicherheit sind wir führend - die neuen Assistenzsysteme machen das Autofahren noch sicherer und komfortabler.Nach dem Willen der Koalition sollen 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Wie realistisch ist die Umsetzung?Wissmann: Die Bundesregierung hat die strategische Bedeutung der alternativen Antriebe erkannt. Wir unterstützen diesen Ansatz. Jetzt müssen im Schulterschluss von Politik und Industrie die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden, damit dieses Land eine Vorreiterrolle in der Entwicklung dieser Antriebe einnehmen kann. Das ist ein internationaler Wettlauf. Unsere Häuser arbeiten mit Hochdruck an diesen Technologien. Wir brauchen zudem leistungsfähige Infrastrukturen und regenerative Energie für Elektroautos. Heute fahren mehr als 40 Millionen Pkw auf unseren Straßen. Das zeigt, dass auch im Jahr 2020 der klassische Verbrennungsmotor, den unsere Unternehmen ständig weiter verbessern, noch eine tragende Rolle spielen wird.Investiert Ihre Branche denn genug in die Forschung? In der Vergangenheit wurden viele Entwicklungen ja schlichtweg verschlafen.Wissmann: Einspruch! Wir investieren 19 Milliarden Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung - mehr als jede andere Branche. Das erste Serien-Hybrid-Modell mit Lithium-Ionen-Batterie kommt aus Deutschland. Bei Umwelt und Sicherheit setzen unsere Hersteller weltweit die Benchmarks. Wir sind ja deshalb auf den Weltmärkten so erfolgreich, weil wir die höchste Innovationsgeschwindigkeit vorlegen. Diesen Ehrgeiz haben wir auch künftig.

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