Damit Lebensversicherer stabil bleiben

Damit Lebensversicherer stabil bleiben

Dauer-Niedrigzinsen machen den Lebensversicherern und ihren Kunden zu schaffen. Im Eiltempo hat die große Koalition eine Gesetzesreform im Parlament durchgebracht.

Die Zeiten sind hart für Lebensversicherer und ihre Kunden . Die Niedrigzinsen setzen der Branche zu und nagen an den Renditen des Altersvorsorge-Klassikers. Der Bundestag hat gestern ein Paket zur Stabilisierung der Branche verabschiedet. "Es gibt sinnvolle Änderungen zum Beispiel bei den Bewertungsreserven, insgesamt verlangt das Paket der Branche aber auch einige Zugeständnisse ab", sagt Lars Heermann von der Branchen-Ratingagentur Assekurata. Entlastet werden die Firmen durch Änderungen bei der Beteiligung der Kunden an den Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere, die in den Büchern der Versicherer stehen.

Für demnächst ausscheidende Versicherte bedeutet dies finanzielle Einbußen. Bisher müssen sie zur Hälfte an den sogenannten Bewertungsreserven beteiligt werden. Das geht zu Lasten der Kunden , deren Verträge noch lange laufen. Denn den Unternehmen fällt es wegen der Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten immer schwerer, versprochene Garantien aus Altverträgen zu erwirtschaften.

Kernpunkt der Reform: Bewertungsreserven, auch stille Reserven genannt, sollen künftig nur noch in dem Maße ausgeschüttet werden, wie Garantiezusagen für die restlichen Versicherten auch sicher sind. Nicht betroffen sind Anlagen der Unternehmen in Aktien und Immobilien. Etwa zwei Milliarden der drei Milliarden Euro, die Kunden im vergangenen Jahr erhielten, stammten aus festverzinslichen Papieren. "Signifikante Senkungen sind daher zu erwarten. Wie hoch die Einbußen ausfallen, hängt vom Einzelfall ab", sagt Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Branchenexperte Heermann geht davon aus, dass bei nahezu allen Lebensversicherern die Beteiligung an den Bewertungsreserven sinken wird. Bei steigenden Zinsen soll die Begrenzung wieder entfallen. Eine baldige Zinswende ist aber nicht in Sicht.

Die Versicherer müssen allerdings auch Kröten schlucken. Die Entlastung ist gekoppelt an eine Dividendensperre. Die wird fällig, wenn eine Garantieleistung gefährdet ist. Bei anhaltend niedrigen Zinsen werde die Versicherungswirtschaft über viele Jahre hinweg keine Dividenden mehr ausschütten können, warnt der Branchenverband GDV.

"Die Unternehmen werden für Kapitalgeber unattraktiver", sagt Heermann. Das sei auch deshalb problematisch, weil die Versicherer wegen der verschärften Eigenkapitalregeln ihre Kapitalbasis stärken müssen. Verbraucherschützer Gatschke sieht die Ausschüttungssperre dagegen positiv: "Sie gibt den Druck ins Unternehmen und in den Markt und schafft Problembewusstsein".

Zum 1. Januar 2015 soll zudem der Garantiezins für Neu-Verträge von 1,75 auf 1,25 Prozent gesenkt werden. Das dürfte weiter an der Attraktivität der klassischen Lebensversicherung nagen. Gut 90 Lebensversicherer gibt es in Deutschland. Zuletzt haben sieben Unternehmen das Neugeschäft mit Lebensversicherungen ganz oder teilweise eingestellt. "Ich glaube zwar nicht, dass zum 1. Januar auf einen Schlag ein Dutzend weiterer Unternehmen folgt, aber die Zahl der Anbieter wird auf Dauer weiter sinken", sagt Heermann voraus. Gatschke fürchtet dagegen, dass schlecht wirtschaftende Versicherer sich dank der Reformen halten.

Die Bundesbank kommt zu dem Ergebnis, dass bei besonders ungünstiger Zinsentwicklung dank der Reform 13 statt 32 Unternehmen die geltenden Eigenmittelanforderungen möglicherweise nicht erfüllen. Die Probleme der Branche könnten bei langanhaltenden Niedrigzinsen nicht allein durch die Reform gelöst werden. Die Versicherer müssten "selbst einen Beitrag leisten, indem sie ihre Eigenmittelpolster stärken und ein breites Produktangebot vorhalten".