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Damit Franzosen an die Saar kommen

Saarbrücken. Jacques Renard, Präsident des deutsch-französischen Wirtschaftsclubs "Club des affaires Saar-Lorraine", zieht eine ernüchternde Bilanz: In Paris kenne kaum einer das Saarland. Präsentiere sich das Saarland mal vor Ort, dann unkoordiniert und ohne ein einheitliches Bild Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Saarbrücken. Jacques Renard, Präsident des deutsch-französischen Wirtschaftsclubs "Club des affaires Saar-Lorraine", zieht eine ernüchternde Bilanz: In Paris kenne kaum einer das Saarland. Präsentiere sich das Saarland mal vor Ort, dann unkoordiniert und ohne ein einheitliches Bild. Botschaften kämen kaum an, weil man nach deutscher Art über die Franzosen mit einem Berg von Fakten herfalle, statt ihr Interesse mit Emotionen zu wecken. Zudem existiere bis heute in der Regel weder eine zweisprachige Pressearbeit saarländischer Institutionen aus Politik und Wirtschaft, noch eine gezielte Ansprache, insbesondere des französischen Mittelstandes.All das soll nun anders werden. Eine möglichst professionelle Beratung französischer Unternehmen mit Interesse an Deutschland soll ein neues deutsch-französisches Kompetenz-Netzwerk garantieren. Die Verantwortung hierfür und Organisation des Netzwerks im Detail wird voraussichtlich beim Wirtschaftsministerium , der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (gw) Saar oder der Industrie- und Handelskammer (IHK) liegen. Dies erläuterte Renard (Foto: bub) im Gespräch mit unserer Zeitung. Renard ist nicht nur Präsident des Club des affaires Saar-Lorraine, er ist auch Außenhandelsrat Frankreichs und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Trans-Com. Im Netzwerk werden zahlreiche Saar-Institutionen mit Frankreich-Kontakten vertreten sein: von Kammern, Unternehmen bis hin zu Banken und Unternehmens-Beratern.


Als eine Hauptchance für das Netzwerk sieht es Renard an, Mittelständler anzusprechen. Der französische Mittelstand sei international kaum präsent. Frankreich weise ein Außenhandelsdefizit von 44 Milliarden Euro aus. Deshalb wolle jetzt auch die französische Regierung Mittelständlern Zuschüsse gewähren, wenn sie ihr Engagement über die Grenze hinaus ausdehnen.

Renard rät dem Deutsch-französischen Kompetenz-Netzwerk, gezielt in französischen Medien zu werben: von Lille über Paris bis Lyon. Priorität müsse jedoch der Großraum Paris haben. Wegen der in Deutschland engeren Vernetzung zwischen Universitäten, Forschungs-Institutionen und der Wirtschaft finde der französische Mittelstand an der Saar auch besser Fachkräfte.



Renard schlägt zudem vor, in Paris wieder eine saarländische Vertretung einzurichten. Allerdings in kleinem Rahmen, etwa als Untermieter der Deutsch-französischen Handelskammer mit zwei bis drei Mitarbeitern. So könne man sich überall da in Paris schnell präsentieren, wo Entscheider der Wirtschaft zusammenkommen. Auch den Saar-Tourismus könne man in Paris mit Emotionen fördern. Rad- und Wanderwege alleine interessierten nicht: in Verbindung mit Erlebnissen schon. Etwa durch den Besuch des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. Zumal die Franzosen die Spuren ihres Kohle- und Stahlzeitalters weitestgehend zerstört hätten.