Daimler verlobt sich mit Renault-Nissan

Daimler verlobt sich mit Renault-Nissan

Paris. Der französische Automobilkonzern Renault und sein japanischer Partner Nissan haben sich offenbar mit dem deutschen Autobauer Daimler auf eine Allianz mit Überkreuz-Beteiligungen geeinigt

Paris. Der französische Automobilkonzern Renault und sein japanischer Partner Nissan haben sich offenbar mit dem deutschen Autobauer Daimler auf eine Allianz mit Überkreuz-Beteiligungen geeinigt. Renault beriet nach Angaben des französischen Industrieministers Christian Estrosi gestern auf einer außerordentlichen Verwaltungsratssitzung über das Projekt, das in Brüssel als neutralem Ort besiegelt werden und heute vor Börseneröffnung bekannt gegeben werden soll. Hohe VerlusteAlle drei Autobauer waren 2009 tief in die roten Zahlen gerutscht und hoffen nun, mit Hilfe der geplanten Allianz Kosten zu sparen und ihre Probleme überwinden zu können. Renault hatte im vergangenen Jahr trotz absatzfördernder Maßnahmen - wie der Abwrackprämie - einen Rekordverlust von 3,1 Milliarden Euro eingefahren, Daimler hatte 2,6 Milliarden Euro Miese gemacht und Renaults japanischer Partner Nissan einen Fehlbetrag von 1,9 Milliarden Euro verbucht. Daimler und Renault planen nach Informationen der französischen Presse, jeweils drei Prozent des Kapitals des anderen zu übernehmen. Der französische Staat, der 15 Prozent des Kapitals von Renault hält, könne bei der geplanten Partnerschaft seinen Einfluss wahren, erklärte Industrieminister Estrosi. Die konservative Regierung Frankreichs habe dem Projekt bereits zugestimmt. Der französische Autobauer wiederum ist mit 44 Prozent an Nissan beteiligt. Die Partnerschaft sieht offenbar vor allem eine enge Zusammenarbeit im Kleinwagensegment vor, um Kosten zu sparen.Geplant ist demnach, eine gemeinsame Produktionsplattform für künftige Renault-Modelle und für die Nachfolger der A- und B-Klasse von Daimler sowie für den Smart zu schaffen. Eine Kooperation bei Nutzfahrzeugen und bei der Entwicklung abgasarmer Antriebstechnologien soll ebenfalls anvisiert sein. Zudem soll Daimler für die Premiumklasse von Nissan Motoren liefern, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Demnach ermöglicht die Allianz Renault, tausende von Arbeitsplätzen in Frankreich zu erhalten. Ein Punkt, auf den der staatliche Aktionär besonderen Wert legt. Daimler wiederum könnte bei den Kleinwagen von seinem französischen Partner profitieren. Den drei Konzernen könnte die Allianz zudem Vorteile im Einkauf und bei der Konstruktion bringen. Überschneidungen gibt es kaum, da Renault und Nissan nur sehr wenig in der Oberklasse präsent sind - Daimler dagegen kaum bei Kleinwagen und günstigen Mittelklassewagen. Trotz der Vorteile könnte sich der deutsche Autobauer mit der Allianz auch Ärger einhandeln, da der französische Staat bei Renault immer wieder versucht, industriepolitisch Einfluss zu nehmen. Meinung

Die Allianz kann Erfolg haben

Von SZ-RedakteurLothar Warscheid Die Krise der Automobilindustrie und die technischen Herausforderungen bei der Entwicklung umweltfreundlicher Autos schweißen zusammen. Es wächst in den Chefetagen der Autobauer die Einsicht, dass nur große Einheiten wirklich schlagkräftig sind. In Westeuropa, dem Kernmarkt von Daimler und Renault, sind die Märkte gesättigt. Man muss gemeinsam in die automobilen Wachstumsregionen vorstoßen. Dazu sind beide in der Lage. Nissan kann von Japan aus den asiatischen Markt ins Visier nehmen, Daimler in Amerika zusammen mit Renault seine Modell-Palette abrunden. Die osteuropäischen Wachstumsmärkte geht man gemeinsam an. Als Dreierbündniss besitzen die Konzerne die nötige Kapitalkraft, um Hybrid- und Elektroantriebe für den Massenmarkt zu entwickeln. Daimler hat außerdem über seine Beteiligung beim Rüstungs- und Flugzeug-Konzern EADS Erfahrung mit dem französischen Staat als Anteilseigner. Die Voraussetzungen, dass diese Allianz Erfolg hat, sind also gut.