Daimler träumt nicht mehr vom Fliegen

Daimler träumt nicht mehr vom Fliegen

Seit Jahren schon sah Daimler das Geschäft mit der Luftfahrt als Last. Nun hat der Autobauer seine letzten EADS-Anteile abgestoßen. 2,2 Milliarden Euro kommen dadurch in die Kasse.

Es ist der letzte Meilenstein von Daimlers Rückzug aus der Luftfahrtbranche: Der Autobauer hat seine verbliebenen Anteile am Luftfahrtriesen EADS abgegeben. Die Schwaben schließen damit ein Kapitel, das für den Konzern lange alles andere als rühmlich war. "Der Verkauf war ein notwendiger und richtiger Schritt", sagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Synergien hätten die Schwaben mit dem unliebsamen Geschäftsbereich nicht heben können. "Was man sehen kann, ist, dass Daimler sich stärker auf das Kerngeschäft mit Autos konzentriert."

Genau das hatte Konzernchef Dieter Zetsche schon seit längerer Zeit angekündigt. Die Beteiligung an dem Airbus-Mutterkonzern war dabei zur Belastung geworden. Der lang angestrebte Verkauf der EADS-Anteile spülte nun rund 2,2 Milliarden Euro in die Kasse. Geld, das Daimler ins Automobilgeschäft stecken kann. "Der Fokus unserer Unternehmensstrategie liegt ganz klar auf Produkten und Dienstleistungen im Automobilbereich", sagte Finanzchef Bodo Uebber.

Das war lange anders: Zwar ist Daimler vor allem für seine Autos bekannt. Es gab aber Zeiten, da hatte der Konzern eine unternehmenseigene Luft- und Raumfahrttochter. Der frühere Konzernchef Edzard Reuter hatte damals die Vision, aus Daimler einen breit angelegten Technologiekonzern zu machen. In dem Zuge entstand 1989 aus dem Traditionsunternehmen Messerschmitt-Bölkow-Blohm die DASA. Sie belastete den Konzern Mitte der 1990er Jahre mit einem Milliardenverlust. Reuter wurde von Kritikern zeitweise als "größter Kapitalvernichter aller Zeiten" beschimpft. Im Jahr 2000 entstand dann aus der DASA, dem französischen Konzern Aerospatiale Matra und dem spanischen Unternehmen Casa der Luftfahrtriese EADS.

Heute verschafft sich Daimler mit dem Geld aus den Resten des Luftfahrt-Abenteuers etwas Luft. Erst kürzlich hatte das Unternehmen angekündigt, wegen der Absatzkrise in Europa seine Gewinnziele für 2013 zu überprüfen. "Das Geld tut sicherlich gut", sagt Bratzel. "Man kann es für weitere technologische Sprünge einsetzen." Schließlich will Daimler bis zum Jahr 2020 an den Oberklasse-Rivalen Audi und BMW vorbeiziehen.

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