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„Coole Sensor-Tattoos“

Hannover/Saarbrücken. Neuartige Tastaturen, schneller laufende Computerprogramme, anonymes Surfen im Internet – darüber forschen Saarbrücker IT-Wissenschaftler. Einiges von dem, was sie herausgefunden haben, zeigen sie auf der Computermesse Cebit. Für manche Entwicklungen interessiert sich die Wirtschaft schon. Lothar Warscheid

Tragen die Menschen bald Sensoren auf ihrem Körper, die aussehen wie Tattoos ? Noch ist das ein Zukunftsszenario. Wie so etwas funktioniert, zeigen saarländische Informatiker auf der Computermesse Cebit am Forschungsstand der Universität des Saarlandes . Aus flexiblem Silikon und leitfähigen Elektro-Sensoren wurden berührungsempfindliche Sticker für die Haut entwickelt, erläutert Martin Weigel, Doktorand am IT-Exzellenzcluster der Saar-Uni. Diese Sticker sollen künftig die Tastatur des Handys ersetzen oder ergänzen. Wer Musik leiser abhören will, drückt auf das sensible Abziehbild am Arm oder am Ohr, und das Smartphone reagiert. Auf einen kräftigen Oberschenkel passt auch ein komplettes Tastenfeld. "Außerdem kann jeder seine Sensor-Tattoos selbst entwickeln und anpassen", sagt Weigel. Er ist davon überzeugt, dass sich sein Verfahren namens "iSkin" durchsetzen wird. "Das Silikon und die Sensoren sind preiswert, und cool ist die Sache ganz gewiss."

Ein wichtiges Cebit-T hema ist das sichere Surfen im Internet, ohne dass jemand dem Nutzer digital über die Schulter schaut. Immer beliebter wird hierbei die Browser-Variante "Tor". Dieses Software-Paket, das jeder Nutzer herunterladen und an seinen Browser andocken kann, soll eine anonyme Recherche im Internet sicherstellen. Die IP-Adresse, der digitale Fingerabdruck eines jeden, der im Netz unterwegs ist, soll mit Hilfe von "Tor" nicht mehr identifiziert werden können. Bei "Tor" sind weltweit 7000 Server zusammengeschaltet, die diese Anonymität gewährleisten sollen. "Ganz zuverlässig funktioniert dies allerdings nicht", sagt Sebastian Meiser, Forscher am Kompetenzzentrum für IT-Sicherheit (Cispa) an der Saar-Universität. Um den "Tor"-Nutzern das mulmige Gefühl zu nehmen, dass sie eventuell doch ausgespäht werden, haben die Cispa-Wissenschaftler "Mator" entwickelt. "Mator" fragt die Daten des Netzwerks stündlich ab und berechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der "Tor"-Nutzer tatsächlich anonym im Internet unterwegs ist .

Um schnellere Software geht es Informatikprofessor Andreas Zeller. Zieht ein einzelner Maurer die Wände eines neuen Hauses hoch, dauert der Bau länger, als wenn eine ganze Maurer-Kolonne zu Werke geht. Diese simple Weisheit will Zeller auf den Aufbau von Software übertragen. "Klassische Programme sind sequenziell aufgebaut, eine Anweisung folgt der nächsten." Da von Computern verlangt wird, dass sie immer schneller rechnen, die Zahl der Transistoren auf den Mikrochips aber an Grenzen stößt, "müssen Entwickler künftig ihren Programmcode so schreiben, dass Teile davon sich parallel ausführen lassen", sagt Doktorand Clemens Hammacher. Dazu haben sie "Sambamba" entwickelt. "Sambamba" analysiert die Programmteile, die parallel laufen können, und die Software-Elemente, die dafür nicht geeignet sind. "Erste Interessenten für ‚Sambamba' gibt es bereits", so Zeller. Zum Beispiel in der Medikamentenforschung, wo die Bestimmung langer Proteinketten mithilfe großer Rechnerleistung zum Alltag gehört.

Das Stadium der Erforschung hat Robin Woll mit seiner Saarbrücker Firma Capira längst verlassen. Seit einem knappen Jahr ist er selbstständig. Er hat einen Editor entwickelt, mit dessen Hilfe das Lernen am Computer erleichtert werden soll. Hierbei wird ein Video, das Lehrstoff enthält, mit einem Fragemodul kombiniert, "so dass der Lernerfolg möglichst groß ist", sagt Woll. Angelehnt an den griechischen Philosophen Sokrates , der neue Erkenntnisse im Dialog herausarbeitete, hat er sein Verfahren "Socratic Videos" getauft. Obwohl sein Editor vor allem für das Fernstudium entwickelt wurde, interessieren sich auch klassische Lehrinstitute dafür. Einer seiner ersten Kunden ist beispielsweise die Fachhochschule Lübeck .