Club Topicana: Flanieren durch die Experimentier-Bastion

Club Topicana: Flanieren durch die Experimentier-Bastion

Wadgassen. "Sind wir noch ein Volk der Dichter und Denker?", hat sich schon vor 50 Jahren Arno Schmidt gefragt. Klaus Behringer, der Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller Saar (VS Saar), erörtert diese Frage, als er am Mittwochabend im Deutschen Zeitungsmuseum in Wadgassen das Publikum willkommen heißt

Wadgassen. "Sind wir noch ein Volk der Dichter und Denker?", hat sich schon vor 50 Jahren Arno Schmidt gefragt. Klaus Behringer, der Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller Saar (VS Saar), erörtert diese Frage, als er am Mittwochabend im Deutschen Zeitungsmuseum in Wadgassen das Publikum willkommen heißt. Vorgestellt wird Topicana, die vom VS Saar seit 1998 herausgegebene Buchreihe, die "im Land praktisch unbekannt ist". Gerade mal 22 anwesende Kulturbeflissene bezeugen die Lage vor Ort.Dennoch kein Grund für schlechte Laune, denn die Reihe hat es auf mittlerweile 26 Bände gebracht. Wer sich im Saarland schreibend engagiert und nach einem Verlag sucht, der kann ihn finden. Topicana ist die literarische Experimentierbastion für die "poetische Grenzüberschreitung", wie es in der Präambel der Bücher heißt. Das stellten vier Topicana-Autoren am Abend unter Beweis. Peter Herbertz, 65, fabuliert in seiner Erzählung "Ulthier oder Lob der Ausschweifung" (Band 23) über die Nöte einer flüchtigen Quell-Nymphe, die sich beim verschrobenen "Oldie" einquartiert, um den strengen Göttern (kein Sex oder Bier seit 400 Jahren) zu entkommen.

Es folgten Gedichte und Erzählungen zweier Jungautoren, die in Band 25, "Schräge Typen", erschienen sind. Laura Ziegler (28) fühlt - im Eiltempo - den Bedingungen des "modernen Lebens" auf den Zahn. Moritz Klein (27) ergründet die von Menschen gemachten und geträumten (Un-)Orte unserer Zivilisation, wo wir uns so verhalten: "In der Sehnsucht sind wir gut, in der Gegenwart verlegen." Das traf auf die beiden Jungautoren an diesem Abend zu, doch keineswegs auf den Schriftsteller Jörg W. Gronius (60), der unterhaltsam zwei Geschichten aus "Die Farbe der Könige" (Band 26) vortrug, in denen er zwei distinguierte Zeitungsleser in den Himmel schickte - bevor er mit live dargebotenen Gesangseinlagen von Robert Stolz' "Wenn die kleinen Veilchen blühen" Lana del Rey als engelhafte Erscheinung auf den heimischen Balkon zauberte. Ein schönes Ende der Leserunde, die Lust auf den neuen Band "Zwischen gestern und hier" von Jörg Ruthel macht, der am 18. Februar im Saarländischen Künstlerhaus vorgestellt wird. lem