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Chrysler soll mit Fiat aus der Insolvenz fahren

Washington. Der marode US-Autobauer Chrysler soll in einem Insolvenzverfahren für eine gemeinsame Zukunft mit dem italienischen Fiat-Konzern fitgemacht werden. Wie US-Präsident Barack Obama am Donnerstag in Washington bekanntgab, soll Fiat zunächst mit 20 Prozent bei Chrysler einsteigen und später auf 35 Prozent aufstocken

Washington. Der marode US-Autobauer Chrysler soll in einem Insolvenzverfahren für eine gemeinsame Zukunft mit dem italienischen Fiat-Konzern fitgemacht werden. Wie US-Präsident Barack Obama am Donnerstag in Washington bekanntgab, soll Fiat zunächst mit 20 Prozent bei Chrysler einsteigen und später auf 35 Prozent aufstocken. Das Insolvenzverfahren soll ungewöhnlich schnell durchgezogen werden und lediglich 30 bis 60 Tage dauern. Die US-Regierung gibt Chrysler weitere Hilfen von insgesamt rund acht Milliarden Dollar. Chrysler stellte einen offiziellen Insolvenzantrag vor Gericht und kündigte an, die Produktion bis zum Ende des Insolvenzverfahrens weitgehend einzustellen. Chrysler-Chef Bob Nardelli wird dann zurücktreten, auch Vize-Chef Tom LaSorda kündigte seinen Rückzug an. Das Weiße Haus hatte betont, im Insolvenzverfahren werde es keine Werksschließungen und Entlassungen geben. Obama griff Hedge-Fonds und "eine kleine Gruppe von Investoren" scharf an, die eine Lösung ohne Insolvenzverfahren verhindert hätten. Sie hatten einen weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche abgelehnt. In dem Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts solle Chrysler nun Ballast abwerfen. Die US-Gewerkschaft UAW soll wie angekündigt die Mehrheit an dem neuen Unternehmen bekommen, das weiter unter Chrysler firmiert. Ihr Gesundheitsfonds VEBA werde nach Abschluss des Insolvenzverfahrens 55 Prozent halten. Die US-Regierung werde acht Prozent der Anteile übernehmen, Kanada für weitere Milliardenspritzen zwei Prozent. Fiat dürfte erst eine Mehrheit an Chrysler übernehmen, wenn alle staatlichen Kredite zurückgezahlt sind. Die Insolvenz des Kleinsten unter den "Großen Drei" der US-Autobranche ist eine beispiellose Zäsur. Experten vermuten mit Blick auf ähnliche Probleme bei General Motors einen Testlauf, ob das Verfahren auch für GM geeignet ist. Die Opel-Mutter hat noch bis Ende Mai Zeit, einen erfolgversprechenden Sanierungsplan vorzulegen. Auch hier stellen sich die Gläubiger bislang quer. Obama bemühte sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Chrysler werde aus dem Verfahren gestärkt hervorgehen. Die Garantie auf Chrysler-Fahrzeuge sei von der Regierung abgesichert. Chrysler hatte nur dank Milliardenkrediten aus Washington überlebt und braucht weitere Hilfen. Der Autobauer schuldet mehr als 40 Banken und Hedgefonds rund 6,9 Milliarden Dollar. Die Regierung wollte diese zu einem weitgehenden Verzicht auf die Forderungen bewegen; dazu waren sie nicht bereit. Die US-Autobranche hatte sich stets gegen den Gang in die Insolvenz gesträubt. Die Konzerne befürchten, dass ihre Autos angesichts der unsicheren Zukunft unverkäuflich würden. Eine Insolvenz bedeute das Ende, hatte zum Beispiel der frühere GM-Chef Rick Wagoner mehrfach gewarnt und so Milliardenhilfen aus Washington herausgepresst. dpa