China geht es langsamer an

China geht es langsamer an

Peking. Mit dem langsamsten Wachstum seit drei Jahren könnte China die Talsohle erreicht haben. Die zweitgrößte Volkswirtschaft hatte lange versucht, mit einer knappen Geldpolitik nicht nur die galoppierende Inflation zu bekämpfen, sondern auch den überhitzten Immobilienmarkt und das rasante Wachstum abzukühlen

Peking. Mit dem langsamsten Wachstum seit drei Jahren könnte China die Talsohle erreicht haben. Die zweitgrößte Volkswirtschaft hatte lange versucht, mit einer knappen Geldpolitik nicht nur die galoppierende Inflation zu bekämpfen, sondern auch den überhitzten Immobilienmarkt und das rasante Wachstum abzukühlen. Nach 9,2 Prozent im vergangenen Jahr sackte das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal plötzlich auf 8,1 Prozent ab. Trotz der schlechter als erwarteten Entwicklung sehen Ökonomen aber keinen Anlass zur Panik."Die Risiken einer Überhitzung nehmen ab, was die Aussichten für eine "weiche Landung" verbessert", sagte Weltbank-China-Ökonom Ardo Hansson in Peking. Auch die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) gibt sich zuversichtlich: "Das globale Umfeld bleibt unsicher, aber China zeigt gesunde Anzeichen einer wirtschaftlichen Risikostreuung mit höherem heimischen Konsum und einer Verringerung des Handelsüberschusses."

Zwar gibt es noch Sorge um die Inflation, doch mehren sich Anzeichen, dass die Zentralbank auch den Geldhahn wieder etwas aufdrehen könnte. Seit November hatte die Zentralbank bereits zweimal die Mindestanforderungen für die Kapitalreserven der Banken verringert. Im März bekamen die Banken schon das Signal, dass die Kreditvergabe wieder gelockert werden könnte.

Den schuldengeplagten Europäern und krisengeschüttelten Amerikanern erscheinen acht Prozent Wachstum sicher fantastisch hoch, aber ein Schwellenland wie China mit viel Nachholbedarf erreicht mit zwischen sechs und acht Prozent schon eine kritische Grenze, je nachdem welcher Ökonom befragt wird. China muss neue Jobs generieren, da ständig weitere Arbeitskräfte auf den Markt strömen.

Entwarnung wollen Ökonomen auch keineswegs geben. "Zu den Risiken gehören eine weitere Verschlechterung der globalen Bedingungen genauso wie ein potenzieller Anstieg von faulen Krediten lokaler Regierungen", warnt die Entwicklungsbank.

So hat China schon alle Hände voll zu tun, um eine robuste wirtschaftliche Entwicklung sicherzustellen. Eigentlich müsste aber vielmehr das ganze Wachstumsmodell geändert werden. Nicht mehr allein Export und Investitionen sollten die Wirtschaft antreiben, sondern vielmehr wachsender heimischer Konsum.

Die langfristigen Aussichten für China hängen allerdings davon ab, ob die notwendigen strukturellen Veränderungen gelingen, weil die traditionellen Antriebskräfte schwächer werden. China muss sich von der Billigproduktion verabschieden und in der Wertschöpfungskette nach oben klettern. Das soziale Netz muss ausgebaut, die Belastung für Umwelt und Rohstoffe reduziert, die Energieeffizienz verbessert werden - alles Faktoren, die das Wachstum langfristig bedrohen.