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Cebit zeigt intelligente Produktion

Hannover. Wie sieht die Arbeit in der Produktion aus, wenn die Maschinen immer individueller und flexibler werden? Das will das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) jetzt erforschen. Lothar Warscheid

Die so genannte Industrie 4.0 soll es ermöglichen, mit Hilfe der Informationstechnologie auch kleine Losgrößen ohne großen Umrüst-Aufwand zu fertigen. Manch einem gilt sie gar als die nächste Revolution der industriellen Produktion. Es stelle sich allerdings kaum jemand die Frage, welche Auswirkung dies auf die Arbeitsabläufe der Beschäftigten haben werde, sagt Anselm Blocher, Wissenschaftler am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken. Statt immer gleicher Handgriffe werden individuelle Tätigkeiten nötig sein.

Genau diesen Problemen soll sich ein Forschungsprojekt widmen, das das DFKI zusammen mit mehreren Partnern angestoßen hat und das jetzt erstmals auf der weltgrößten Computermesse Cebit in Hannover vorgestellt wird. Für die industrielle Forschung ist das Saarbrücker Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) zuständig. Als Partner aus der Industrie konnten das Homburger Werk von Bosch Rexroth sowie der Küchengeräte-Hersteller Miele und der Autobauer BMW gewonnen werden. Gefördert wird das Vorhaben, das unter SmartF-IT firmiert, mit rund zehn Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium.

"Wenn Mitarbeiter ständig neue Bauteile in die Hand nehmen müssen, um kleine Serien zu fertigen, geht das nicht ohne Assistenzsysteme", sagt Zema-Geschäftsführer Jochen Flackus. Die Beschäftigten erhalten daher bei jedem Produkt konkrete Hinweise, welcher Stift oder welche Schraube jetzt montiert werden muss. Die Produkte könnten entweder über Funksignale oder mit Hilfe kleiner Kameras erkannt werden. SmartF-IT soll allerdings auch dafür sorgen, dass die Einsatz- und Schichtpläne der Beschäftigten optimiert werden. "Kleine Losgrößen bedeutet auch, dass an einer Fertigungslinie mal viel und an einer anderen weniger zu tun ist", sagt DFKI-Forscher Dieter Dengler. Die IT soll sicherstellen, dass die Personalplanung auf die kleinteilige Fertigung abgestimmt wird.

Die Auswirkungen neuer Produktionsverfahren auf die Arbeitnehmer sollen auch Teil der neuen Industriestrategie des Saarlandes werden. Darauf machte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ) während ihres Cebit-Besuchs aufmerksam. "Wir wollen die Gewerkschaften und die Arbeitnehmer intensiv einbinden, um ihnen die Angst zu nehmen, wegrationalisiert zu werden oder nur noch einfache Tätigkeiten zu verrichten." Für die neue Arbeitswelt sieht Rehlinger das Saarland gut gerüstet. "Wir haben eine leistungsfähige Industrie und eine ausgezeichnete IT-Landschaft. Das muss jetzt nur zusammengebracht werden."

Auch alte IT-Hasen beschäftigen sich mit der Industrie 4.0. So entwickelt das Saarbrücker Unternehmen Metalevel, das seit 32 Jahren existiert, IT-Instrumente, um die Wartungsintervalle von Maschinen exakter bestimmen zu können. Sensoren liefern zu Beispiel Daten über Temperatur oder Drehzahl. "Diesen ständigen Informationsfluss werten wir mit Computern aus und können damit eine gute Prognose darüber abgeben, wann die nächste Wartung fällig ist", sagt Metalevel-Vorstand Peter Raber.


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HintergrundSaarländer können den Schwerbehindertenausweis künftig online beantragen. Die Software hat Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ) gestern auf der Cebit freigeschaltet. "Wir wollen jetzt intensiv für diesen neuen Service werben", sagt Anja Wagner-Scheid, Direktorin des Landesamts für Soziales - unter anderem über den Sozialverband VdK . Aber auch Ärzte, Reha-Klinken, Krankenhäuser oder Schwerbehinderten-Vertreter sollen mit dem neuen Online-Angebot vertraut gemacht werden. Näheres unter Telefon (0681) 9978-2181 oder im Internet: www.las.saarland.de red