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Karnevalssitzung in Weisweiler
Zuschauer stören Cat Ballou mit „Aufhören“-Rufen

 Die Band Cat Ballou bei einem Auftritt (Archivfoto).
Die Band Cat Ballou bei einem Auftritt (Archivfoto). FOTO: Miserius, Uwe (umi)
In Weisweiler ist die Band Cat Ballou bei der Herrensitzung eines Karnevalsvereins mit lautstarken Rufen aufgefordert worden aufzuhören. Die Zuschauer kritisierten damit das Engagement der Band für den Hambacher Forst. Von Merlin Bartel

Karneval, Herrensitzung und Cat Ballou – das ist normalerweise eine sichere Mischung für gute Laune in der fünften Jahreszeit. Anders war es jedoch am vergangenen Freitagabend bei der Herrensitzung der „KG Lätitia von 1878 Blaue-Funken-Artillerie“ in Weisweiler. Dort stand die Band, die überwiegend auf Kölsch singt, in der Festhalle auf der Bühne – und wurde ausgebuht.


Ein 18 Sekunden langes Facebook-Video dokumentiert den Vorfall: Bevor die Musiker ein Lied anstimmen, rufen einige Zuschauer lautstark „Aufhören, aufhören!“. Die Bandmitglieder schauen verdutzt, drehen sich zu den Veranstaltern des Karnevalsvereins um. Diese bleiben jedoch auf ihren Plätzen sitzen. Trotz anhaltender Rufe beginnt Cat Ballou anschließend, das Lied „Liebe deine Stadt“ anzustimmen. Sänger Oliver Niesen erzählt gegen den Lärm aus dem Publikum die Entstehungsgeschichte des Songs, den die Band zusammen mit Fußballer Lukas Podolski und dem Kölner Rapper Mo-Torres aufgenommen hat.

Grund für die „Aufhören“-Rufe ist das Engagement der Musiker für den Erhalt des Hambacher Forsts: Bei einer Großdemonstration am 6. Oktober 2018 standen sie auf der Bühne. Fast 50.000 Menschen protestierten gegen die Rodung des Waldes. Weisweiler liegt zwischen Düren und Aachen, also mitten im Rheinischen Braunkohlegebiet. In Eschweiler−Weisweiler steht ein Kraftwerk von RWE, das mit Braunkohle befeuert wird. RWE ist ein großer Arbeitgeber in der Region.



Auch bei der Herrensitzung am Freitag waren wohl zahlreiche RWE-Mitarbeiter anwesend. So stammt das Facebook-Video von Heinrich Wirtz, der laut Facebook-Profil bei RWE Power arbeitet. „Gerechter Lohn für Cat Ballou“, schrieb er.

Das Video ging am Wochenende in NRW viral: Bei Facebook wurde es bis Montagmittag fast 40.000 Mal aufgerufen und rund 280 Mal geteilt. In den mehr als 160 Kommentaren wird weniger über Cat Ballou diskutiert, sondern vielmehr eine Debatte zum Hambacher Forst ausgetragen: „Wer für die Idioten im Hambacher Forst auftritt, darf danach in Weisweiler keinen Freudentanz erwarten“, schreibt eine Nutzerin. Viele weitere User begrüßen die Aktion: „Gut so“ und „verdient“ ist zu lesen. Andere kritisieren das Verhalten der Zuschauer: „Nur weil sich eine Band für den Umweltschutz engagiert, verhalten sich RWEler wie trotzige kleine Kinder. Ihr macht euch selber nur noch lächerlich.“

Cat Ballou teilte in einer Stellungnahme mit: „Wir haben demonstriert und aufgerufen für ein friedliches Miteinander auf Augenhöhe und einen Dialog auf sachlicher Basis. Wir distanzieren uns von jeglicher Form von Gewalt und Extremismus.“

Der Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen soll dem von RWE betriebenen Braunkohletagebau weichen. Die Rodungen wurden im Oktober 2018 allerdings vorerst gestoppt. Im Wald kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Umweltschützern und der Polizei, ein Journalist kam ums Leben.