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Camerons Optimismus belebt müden Wahlkampf

London. Katrin Pribyl

Die Ankündigung kam für die meisten Briten doch etwas überraschend. Premierminister David Cameron schließt eine dritte Amtszeit in Downing Street 10 aus, teilte der konservative Politiker in einem Interview mit dem Sender BBC mit. Daraufhin bestimmte die Bekanntmachung gestern die Schlagzeilen der Medien auf der Insel, wo am 7. Mai die Parlamentswahl ansteht. Es gebe einen Punkt, an dem ein "frisches Paar Augen und eine frische Führung gut wären", sagte er und betonte hinsichtlich der Amtsperioden als Premierminister : "Zwei sind wundervoll, aber drei könnten zu viel sein."

Weiß David Cameron etwa mehr als alle anderen? Das fragten sich zahlreiche Briten, denn Verwirrung stiftete vor allem ein Detail: Er ist noch nicht einmal für ein zweites Mandat wiedergewählt. Erst in sechs Wochen entscheidet sich, ob Cameron weitere fünf Jahre in Downing Street wohnen und arbeiten wird oder er die Koffer packen muss. Und der Ausgang ist völlig offen. Umfragen zufolge liegen seine Tories mit der sozialdemokratischen Labour-Partei etwa gleichauf. Es dauerte dementsprechend auch nicht lange, bis sich die Opposition brüskiert zu Wort meldete. Douglas Alexander von der Labour-Partei bewertete Camerons Verhalten, bereits von einem Wahlsieg auszugehen, als "arrogant". Ein Sprecher der Liberaldemokraten, die mit den Konservativen eine Koalition bilden, sagte: "Es ist unglaublich anmaßend von David Cameron , sich Wochen vor der Wahl über eine dritte Amtszeit den Kopf zu zerbrechen."

Doch der Premierminister ging in dem Interview sogar einen Schritt weiter und brachte gleich drei potenzielle Nachfolger ins Spiel. So findet er, dass Innenministerin Theresa May, Finanzminister George Osborne oder der Londoner Bürgermeister Boris Johnson als mögliche Kandidaten für die Führung des Vereinigten Königreichs in Frage kämen. Die Partei, so Cameron, habe "viele Talente" zu bieten.

Wie aber schafft es die Diskussion um eine dritte Amtszeit Camerons so viel Wirbel zu verursachen - nur sechs Wochen vor der Wahl? Manche Beobachter sehen vor allem ein Problem entlarvt: Die Briten sind gelangweilt vom Wahlkampf , der sich seit Monaten zieht und nicht so recht in Fahrt kommen will, dem trotz der spannenden Ausgangslage die Spannung fehlt.

Hat David Cameron mit dem Interview nun in den Reihen der Tories das Rennen um seine Nachfolge eröffnet? "Das war seltsam und unnötig", sagte ein ehemaliger Minister gegenüber dem "Guardian". Die Äußerung trage nicht zur Autorität des Premierministers bei. Auch "The Times" kommentierte, dass Cameron riskiere, seinen Führungsanspruch innerhalb der Partei zu untergraben. Die Medien erinnerten an den früheren Amtsinhaber Tony Blair , der noch vor seinem dritten Wahlsieg im Jahr 2005 ein viertes Mandat ausgeschlossen hatte. Damit brachte er seinen parteiinternen Konkurrenten Gordon Brown in Stellung. Doch neben anderen Parteikollegen, die den Premier für dessen Aufrichtigkeit lobten, beschwichtigte auch der britische Verteidigungsminister Michael Fallon: Cameron habe die Frage ehrlich beantwortet. "Zehn Jahre als Premierminister sind wahrscheinlich für jeden genug." Am 7. Mai dürfen die Wähler entscheiden, ob es dazu überhaupt kommt oder für David Cameron bereits nach fünf Jahren Schluss ist.