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Bund kann HRE wohl ohne Enteigung übernehmen

München. Noch wird in Sachen Hypo Real Estate (HRE) eifrig gezählt und ausgewertet. Hinter den Kulissen schüttelt man sich beim Bankenrettungsfonds Soffin und dem Bund, der die Krisenbank komplett übernehmen will, aber bereits die Hände. "Wir gehen fest davon aus, dass es das war", jubelt ein Insider Von SZ-Mitarbeiter Thomas Magenheim-Hörmann

München. Noch wird in Sachen Hypo Real Estate (HRE) eifrig gezählt und ausgewertet. Hinter den Kulissen schüttelt man sich beim Bankenrettungsfonds Soffin und dem Bund, der die Krisenbank komplett übernehmen will, aber bereits die Hände. "Wir gehen fest davon aus, dass es das war", jubelt ein Insider. Das heißt, die Übernahme dürfte gelingen, ohne zu dem umstrittenen letzten Mittel der Enteignung greifen zu müssen. Anscheinend hat sich der Bund mit seinem Übernahmeangebot inzwischen einen Anteil von rund 45 Prozent an dem Immobilienfinanzierer gesichert. Ein paar Prozentpunkte kämen bis Ende der Auszählung am Mittwochabend sicherlich noch dazu, hieß es gestern. Nachzügler sind die Meldungen ausländischer HRE-Eigner. Am Ende werde der Bund wohl nahe an die Hälfte aller Anteilsscheine herankommen. Das reicht nach menschlichem Ermessen, um bei der für Anfang Juni geplanten Hauptversammlung die gewünschte Kapitalerhöhung von bis zu 5,6 Milliarden Euro durchdrücken zu können. Denn dazu muss nicht die Hälfte aller existierenden, sondern nur die Hälfte aller beim Eignertreffen anwesenden Aktionäre zustimmen. Selbst wenn man von gesteigertem Interesse und ungewöhnlich hoher Präsenz ausgeht, müssten die eingesammelten Papiere reichen, um dem Bund das Sagen zu geben. In diesem Fall erhöht der Staat mit Steuergeldern im Alleingang das Kapital der Pfandbriefbank und kommt so auf eine Quote von gut 90 Prozent. Diese erlaubt wiederum eine Zwangsabfindung der restlichen Aktionäre ohne Enteignung. Den angedrohten Klagen von US-Großaktionär J.C. Flowers, der mit aller Macht Eigner bleiben will, sieht der Bund gelassen entgegen. Verhindern oder verzögern könne Flowers ohnehin nichts. 87 Milliarden Euro an Steuergeldern stecken in Form von Garantien bereits in der HRE. Inklusive Krediten anderer Finanzinstitute summiert sich die Stützungssumme, ohne die es die Bank längst nicht mehr gäbe, auf 102 Milliarden Euro. Dazu kommen demnächst per Kapitalerhöhung noch weitere gut fünf Milliarden Euro. Dann soll das Fass HRE endlich einen Boden haben. Genau weiß das niemand. Klar ist nur, dass der Soffin heute die endgültige Annahmequote für das Kaufangebot des Bunds zu 1,39 Euro je HRE-Aktie veröffentlicht. Dann dürfte aus dem Jubel hinter vorgehaltener Hand ein offizieller, aber teurer Triumph des Staats werden.