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Bücher, Bastelecken, Betriebssysteme

Die Schülerinnen Elma Rastoder (l.) und Anouk Bröhl erkunden auf der Messe E-Books. Foto: Krämer
Die Schülerinnen Elma Rastoder (l.) und Anouk Bröhl erkunden auf der Messe E-Books. Foto: Krämer FOTO: Krämer
Saarbrücken. Je stärker der Regen, desto dichter war gestern das Gedränge auf den Gängen des Saarbrücker Schlosses, wo die 13. Ausgabe der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse eröffnet wurde. Was hat die zu bieten? Wir haben uns umgeschaut. Von SZ-Mitarbeiterin Kerstin Krämer

Ohne Schirm geht am Eröffnungstag der 13. Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse gar nichts. "Vergangenes Jahr haben wir geschwitzt, dieses Jahr saufen wir ab", lacht Messeleiterin Astrid Rech, als sie gegen 13 Uhr ihren Dienst am Infostand im VHS-Foyer antritt. Wo bei der letztjährigen Ausgabe zahlreiche Stände den Schlossplatz zierten, herrscht nun bis auf einen recht verwaisten Verpflegungsstand gähnend nasse Leere. Sonnenschirme werden als Regenschirme zweckentfremdet, um Besucher trocken vom VHS-Zentrum zum Schloss und wieder zurück zu geleiten.

Erfreulicherweise lassen sich die Massen von dem miesepetrigen Wetter jedoch nicht abschrecken. Und weil sich alle drinnen aufhalten müssen, ist der Geräuschpegel noch ein gutes Stück lauter als sonst - vor allem vormittags, als sich die Schulklassen drängeln: von Lesung zu Workshop, von Bastelecke zu Bücherstand, von Popup-Buch zu Kalligrafie. Dass das Tagesprogramm von dem im Internet dargestellten Programm abweicht, sorgt für Verwirrung, aber etwas liebenswertes Chaos gehört bei der Buchmesse erfahrungsgemäß dazu.

Ehrengastland ist Irland, das sich im ersten Obergeschoss des Schlosses ausführlich in Wort, Bild und Ton präsentiert. Die Verlage sind diesmal nicht überall verstreut, sondern sämtlich im Schlossfestsaal untergebracht, wo sich Stellwand an Stellwand drängt: "Es hat sich heraus gestellt, dass sich die Verlage hier gebündelt einfach wohler fühlen", begründet Rech diese Rückbesinnung. Am Stand der spanischen Verlage wartet Illustrator Ignasi Blanch auf Freiwillige, die sich von ihm skizzieren lassen. Die zehnjährige Ipek Ararat posiert bereitwillig mit einem Kuscheldrachen und erntet dafür außer einem Porträt auch die bewundernden bis neidischen Blicke ihrer Klassenkameraden von der Kreuzbergschule Merzig.

Neu ist in diesem Jahr das "Digitale Lesestübchen" in Kooperation mit dem Landesamt für Pädagogik und Medien (LPM). Hier stehen Laptops und Tablet-PCs mit verschiedenen Betriebssystemen bereit, damit Neugierige moderne Medien wie E-Books und digitale Bücher entdecken können. Digitale Bücher? "Das sind Bücher, die mit Bildern animiert sind und einem außerdem vorgelesen werden", erläutert Isabel Sorg. Ein Hit bei den kleinen Besuchern sei der "Grüffelo", Axel Schefflers Bilderbuch-Monster. "Im Gegensatz zu uns Erwachsenen gehen Kinder mit der Technik ganz selbstverständlich um. Die entsperren die Systeme wie nix!", staunt Sorg. Dass manche sogar so clever sind, die auf den Rechnern vorinstallierten Spiele zu entdecken und dann nur noch "rumdaddeln", ist natürlich nicht Sinn der Sache. Zu den wenigen Besuchern, die nicht im Schulverband unterwegs und sogar aus München zu Besuch sind, gehören Anouk Bröhl und ihre Freundin Elma Rastoder. Die beiden Elfjährigen sind Leseratten und gehen mit den iPads ebenfalls souverän um.

Nebenan im VHS-Gebäude bleibt Schauspielerin Barbara Scheck die Spucke weg. Sie ist als Vorleserin für die ukrainische Autorin Halyna Malyk und deren Buch "Die Übeltäter aus der Parallelwelt" engagiert und bei der Diskussion mit den Schülern entsetzt, dass die 16-Jährigen nichts über Tschernobyl wissen. Übersetzerin Ulyana Baran ist eifrig um Aufklärung bemüht. Baran ist außerdem Präsidentin des Ukrainischen Kinder- und Jugendbuchforschungszentrums. Ukrainische Neuerscheinungen handelten oft von Liebe und Freundschaft, erzählt sie, denn in ihrer Heimat werde noch die Tradition der Familienlesung hochgehalten. "Bis zum Alter von zehn Jahren lesen unsere Kinder gut und viel", sagt Baran. Danach werde es schwierig, daher entwickele ihr Zentrum zusammen mit anderen Staaten wie Polen, Tschechien und Deutschland, ein Lese- und Sprachförderprogramm.