Branchentreff der Saarland Film: Aus dem Alltag von Autoren

Branchentreff der Saarland Film: Aus dem Alltag von Autoren

Sollte man seine Drehbücher mit Hilfe eines PC-Programms schreiben? Und ist es geschickt, als Autor seinem Fernseh-Redakteur offen zu widersprechen? Das waren zwei der Fragen, die beim 2. Branchentreff der Saarland Film diskutiert wurden. Das Thema: Drehbuch- und Stoffentwicklung.

Wenn Autor Hardi Sturm Mittagspause macht und zum Sport geht, raunt er seinen Figuren in Gedanken "Bin gleich wieder zurück" zu. So versunken ist er, wenn es gut läuft, in den Schreibprozess. Dann hat er sich wochenlang ein kleines Archiv angelegt, aus Bildern, Texten, Zetteln mit Ideen, CDs mit Musik - ein Kessel Buntes zur Inspiration.

Regisseur und Autor Sturm, erfahren beim "Tatort" und bei den 20.15-Uhr-Filmen von ARD und ZDF , hat am Montag in Saarbrücken von seiner Arbeit erzählt. Die Saarland Film hatte zu ihrem 2. Branchentreff geladen und sich dem Thema "Drehbuch- und Stoffentwicklung" gewidmet. Sturms Vortrag schwebte nicht in höheren Autoren-Sphären, sondern gab handfeste Tipps für Kollegen. Kurzfilme zu schreiben und zu inszenieren (wie sein Werk "Pärchenabend", das er mitgebracht hatte) bringe Freiheit, aber kein Geld; bei der 20.15-Uhr-Unterhaltung sei es nahezu umgekehrt - wenn man nicht kämpfe für eine gewisse Freiheit. Was etwa tun, wenn ein TV-Redakteur Änderungen am Buch vorschlägt, vor allem, um seinen Arbeitsplatz zu rechtfertigen? "Geduldig zuhören", rät Sturm, nicht widersprechen, das Problem vertagen, und beim nächsten Treffen eine eigene Idee als die des Redakteurs ausgeben. Gute eigene Ideen, so Sturm weiter, sollte man vertraglich an sich binden lassen - für den gar nicht mal so seltenen Fall, dass man als Autor ausgetauscht wird und der Nachfolger sich später mit fremden Federn schmückt. Auch sollte man sich thematisch breit aufstellen, rät Sturm - ein, zwei witzige Stoffe zu viel, und schon komme man aus der Komödienschublade nicht mehr hinaus. Insgesamt zeichnete Sturm das Bild eines kreativen, schönen Berufs in einem schwierigen Umfeld: "Die Chance sich zu etablieren, ist sehr gering. Das gibt zwar auch eine gewisse Freiheit, die sich aber nicht so leicht leben lässt."

Die Chance des Etablierens vergrößern will Sandra Ehlermann mit ihrer Firma Scriptmakers, einer Autoren-Datenbank mit Ausschreibungs-Service. Scriptmakers hilft Produzenten , die unter chronischem Zeitdruck stehen, und Autoren, denen es oft am Sinn für Selbstvermarktung fehlt, zusammenzufinden, erklärt Ehlermann. Eine Agentur sei man nicht, auch keine beurteilende Instanz, sondern "eine neutrale Schnittstelle" für Produzenten (die eine Pauschale zahlen) und Schreiber (die fünf Prozent ihres Honorars abgeben). Das Ziel der Firma: "Keine Ausbeutung, keine ungewollten Ideen, keine Laien."

Kann ein Computerprogramm beim Drehbuchschreiben helfen? Effi Goldbrunner, Geschäftsführerin von DramaQueen, stellte das gleichnamige Programm vor, "das dramaturgisch denkt". Es gehe nicht darum, aus einzelnen Elementen formelhafte Bücher zu machen, erklärte Goldbrunner, selbst Autorin, sondern dem Schreiber zu helfen, seine Ideen zu ordnen und die Struktur des Ganzen überschaubar zu machen: Handlungen, Nebenhandlungen, Spannungsbögen - alles lässt sich grafisch darstellen und hilft beim Überblick. Eine reizvolle Idee, die den Autor Sturm aber etwas skeptisch zurück ließ: "Ich bin da eher altmodisch."