Bosch will in Homburg alle Jobs halten

Bosch will in Homburg alle Jobs halten

Das Bosch-Werk in Homburg hat wieder mehr Aufträge. Dennoch machen die Krise auf dem Nutzfahrzeug-Markt und die allgemein schlechte Konjunkturentwicklung dem gesamten Bosch-Konzern schwer zu schaffen.

Bosch-Chef Volkmar Denner stimmt mit einem drastischen Sparkurs die Mitarbeiter auf härtere Zeiten ein. "Es geht im Kern nicht um Personalabbau, sondern darum, die Bosch-Gruppe auf ein mögliches Stagnationsszenario einzustellen", sagte Denner gestern auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart. Er rechnet mit einer "längeren Stagnation der Wirtschaft in Europa". Weltweit hat Bosch 305 900 Beschäftigte.

Mit den Betriebsräten an den deutschen Standorten seien Regelungen vereinbart, die eine flexiblere Reduzierung von Arbeitszeit und Einkommen vorsehen, sollten Aufträge weiter einbrechen. Diese Regelungen sollen ermöglichen, Umsatzrückgänge um bis zu 20 Prozent abzufedern. Jeder Standort werde auf weitere Sparmöglichkeiten geprüft, sagte Denner, der Nachfolger von Franz Fehrenbach, der 20 Jahre an der Spitze der Robert Bosch GmbH stand und inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender ist. Mutmaßungen, Denner vollziehe mit dem Amts- auch einen Strategiewechsel, bestritt dieser. Oberstes Ziel sei, Marktanteile zu steigern. Besonders profilieren will man sich in der Elektromobilität sowie beim Einbau von mehr automatischen Systemen in Fahrzeugen: von Fernsteuerungen, die Autos in enge Garagen manövrieren, bis zum Staupiloten, der den Spurwechsel automatisiert. "Damit kann der Fahrer im Stau E-Mails checken oder Zeitung lesen", so Denner.

Die Perspektiven für das Homburger Bosch-Werk sehen nach Einschätzung des Managements gut aus, obwohl die Lage 2012 von einem weltweiten Rückgang um 11,5 Prozent in der Produktion von Nutzfahrzeugen getrübt wurde. Geschäftsführungsmitglied Bernd Bohr, der die Sparte Kraftfahrzeugtechnik verantwortet, spricht von einer leicht ansteigenden Auftragslage und einer ausgeglichenen Beschäftigung in den Monaten Februar bis April. Ziel sei, den Dieseltechnik-Standort Homburg stabil zu halten. "Das Werk hat eine feste Position", so Bohr. Zumal Homburg weltweites Leitwerk für die Entwicklung neuer Produkte in der Nutzfahrzeug-Dieseltechnik sei. Der Bereich Diesel-Einspritzpumpen habe 2012 stark zugelegt. Personalabbau sei an der Saar nicht geplant. Das Bosch-Werk beschäftigt 5750 Mitarbeiter. Bohr glaubt, "dass der Diesel-Motorenantrieb für Lkw noch in 40 Jahren eine stabile Nachfrage haben wird". Härtere Abgasnormen in Russland und China sorgten zudem für Absatzchancen.

Die größte Bosch-Sparte, die Kraftfahrzeugtechnik, erreichte 2012 noch einen Umsatzanstieg um 2,1 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro. Insgesamt erhöhte sich der Bosch-Umsatz um 1,9 Prozent auf 52,5 Milliarden Euro. Dennoch sprach Bosch-Chef Denner von einem "unbefriedigenden Ergebnis. Die Zahlen für die Bosch-Gruppe können uns insgesamt nicht zufriedenstellen". Der operative Gewinn sank wegen hoher Abschreibungen in der Solarsparte, von der sich Bosch wegen hoher Verluste trennen will, um fast die Hälfte auf 1,3 Milliarden Euro.

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