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Analyse zum Saisonstart
Borussias Lerneffekte und ein schnelles Wiedersehen

Borussia feiert den Sieg gegen Leverkusen zusammen mit den Fans.
Borussia feiert den Sieg gegen Leverkusen zusammen mit den Fans. FOTO: Rheinische Post / Dirk Päffgen
Borussia steht nach dem ersten Spieltag auf dem dritten Platz. Die Lerneinheiten der achtwöchigen Vorbereitung scheinen gefruchtet zu haben. Von Karsten Kellermann

Es war am ersten Spieltag der Saison 1998/99, als die Borussen ein Westduell daheim deutlich mit 3:0 gewannen und nach diesem Sieg Tabellenführer waren. Am Ende der Saison, das ist die Ironie dieser Geschichte, stand der erste Bundesliga-Abstieg. Nun, 20 Jahre später, hätte ein 3:0 Platz zwei bedeutet, wieder in einem Westduell, nur, dass Leverkusen statt Schalke der Gegner war. Doch ließen die Borussen die Chance auf den Spitzenplatz zumindest für eine Nacht verstreichen. Nun könnte man dies als Makel anprangern, weil mal wieder, wie so oft in den vergangenen beiden Spielzeiten, eine Gelegenheit ungenutzt blieb. Aber es gibt auch den Ansatz, dass es kein gutes Omen gewesen wäre, wenn das dritte Tor am Samstag gefallen wäre. Legen wir die Geschichte den Borussen positiv aus und unterstellen ihnen, dass sie aus der eigenen Geschichte gelernt haben, nach dem Motto: Besser nicht!


Wie auch immer: Es war ein toller Fußballabend im Borussia-Park, weil da zwei Teams am Werk waren, die es darauf anlegten, nach vorn etwas zu bewegen. Die Gladbacher setzten das am Ende weitaus konsequenter um. Im Gegensatz zu den drei Niederlagen in der vergangenen Saison, als sieben der acht Tore, die man Bayer in den drei Spielen gönnte, nach der Pause fielen, waren sie nun in der zweiten Halbzeit hellwach.

Die Null stand 90 Minuten lang, Jonas Hofmann definierte das zu Recht als gute Grundlage des Sieges. Dass die Borussen zudem aus dem neuen System heraus eine lange nicht erlebte Wucht in der Offensive entwickelten und Bayer somit kämpferisch und spielerisch den Schneid abkauften, lässt, Stand jetzt, den Schluss zu, dass die intensiven Lerneinheiten der Vorbereitung gefruchtet haben. Hecking will einen Fußball, der wieder spektakulärer ist, und den haben die Seinen in den ersten 180 Pflichtspiel-Minuten geboten.



Nun geht es um das nächste Lernziel: Konstanz. Nicht selten gab es in der jüngeren Vergangenheit nach schönen Erlebnissen böse Rückschläge. So steht am Samstag in Augsburg auch der reanimierte „Von-Spiel-zu-Spiel-Ansatz“ auf dem Prüfstand: Von Hastedt zu Leverkusen hat der funktioniert, nun wäre es ein hübsches Ziel, erstmals seit 23 Jahren die ersten beiden Spiele einer Bundesliga-Saison zu gewinnen. Gegen Leverkusen wurde das Trauma der Vorsaison kuriert, in Augsburg kann auch eine Mangelbilanz angepackt werden, denn dort gab es noch nie einen Bundesliga-Sieg. Ein Etappenziel ist damit definiert, oder, wie es Yann Sommer sagte, ein Roter Faden für das zweite Kapitel der Geschichte dieser Saison.

Die nächste Pokal-Episode ist eine Wiederholung. Das just besiegte Leverkusen ist am 30. oder 31. Oktober der nächste Gegner, da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das schnelle Wiedersehen der rheinischen Klubs im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu bestaunen sein wird. Die Partie gab es in der vergangenen Saison auch, damals in Runde drei. 0:1 verlor Borussia kurz vor Weihnachten. Was lernen wir daraus? Die Fußball-Welt ist manchmal ein Dorf.