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Borussias Teenager
Die Tücken der Jugendlichkeit

Borussias 1:3 gegen Espanyol zeigte Jordan Beyer, Andreas Poulsen und Michael Cuisance, dass sie noch viel zu lernen haben. Von Karsten Kellermann

Michael Cuisance hat sich etwas verändert. Der blutjunge Franzose, noch immer 18 Jahre alt, ist ein Kraftprotz geworden. Er hat Muskelmasse zugelegt, das lässt ihn weit stabiler wirken. Dass er ohnehin mit breiter Brust unterwegs ist, liegt in seiner Natur. „Wenn du hart arbeitest, kannst du der Beste sein“, hat sein Vater ihm gesagt, und Cuisance hat das zu seinem Wahlspruch erkoren. Darum scheut er den Konkurrenzkampf im Gladbacher Mittelfeld nicht. Er weiß um seine Stärken und, dass er damit begeistern kann. Doch zuweilen muss er erkennen, dass die Jugendlichkeit ihre Tücken hat.


Nun war der gebürtige Straßburger nicht der einzige 18-Jährige, der am Samstag beim 1:3 der Borussen gegen Espanyol Barcelona auf dem Rasen stand und zu dieser Erkenntnis kam. Auch Jordan Beyer und Andreas Poulsen sind so alt, das Eigengewächs und der neue Däne bildeten das Außerverteidiger-Duo in der Viererkette. Und wie Cuisance erlebten beide, dass sie noch viel zu lernen haben. Denn jeder der drei tat sich im Spiel gegen die abgezockten Katalanen auf seine Art schwer.

Beyer, der gebürtige Niederrheiner, spielte als ständiges Mitglied des Profi-Kaders quasi zum ersten Mal vor einem größeren heimischen Publikum, ein wenig nervös wirkte er dabei. „Er hatte gute Szenen dabei, aber auch einige Wackler, die wir so bei ihm nicht haben wollen“, sagte Trainer Dieter Hecking. Beyer steht nach der Verletzung Michael Langs im Fokus und hat sich empfohlen.



Eine Alternative ist Mandela Egbo, der gegen Espanyol später im 3-5-2, auf das Hecking umstellte, rechts spielte, als Beyer ein Teil der Dreierkette wurde. Am Sonntag beim 5:1 gegen den Oberligisten FC Wegberg-Beeck im finalen Testspiel war Egbo 90 Minuten dabei. Zunächst in der Vierer- dann in der Dreierkette. Er erzielte auch das Tor zum 3:0. „Mandela macht das gut“, befand Dieter Hecking, merkte aber an, Egbo müsse das, was er „oben“ zeigt, auch in der U 23 abrufen.

Auf der linken Seite tat sich Poulsen gegen Espanyol noch schwerer als Beyer. Er gewann kaum einen Zweikampf und konnte selten Druck nach vorn erzeugen. Er ist wohl noch nicht so weit, dem Routinier Oscar Wendt den Platz tatsächlich streitig zu machen.

Cuisance bildete in Wegberg mit dem anderen großen Gewinner der Vorsaison, Denis Zakaria, die Doppelacht. Eleganz und Dynamik, das sollte in der Kombination fruchtbar sein, doch konnten sie die souveräne Aggressivität, die Jonas Hofmann und Florian Neuhaus zuvor meist entwickelt hatten, nicht zeigen. Zu ungestüm, zu unkonkret war das Pressing im Zentrum, so dass dem Dreierangriff, in dem Raffael und Fabian Johnson kaum Akzente setzen konnten, die Unterstützung fehlte und der Gegner zu oft ungehindert nach vorn kam, auch, weil es leichte Ballverluste gab.

„Mika hat in seinem Spiel Verhaltensweisen, die er verändern muss, um die Effektivität zu haben, die wir auf der Position brauchen“, sagte Hecking mit Blick auf Cuisance. Gleiches galt für Zakaria, der sich zudem zu oft fallen ließ, die Abstimmung des Duos mit dem Single-Sechser Kramer passte nicht immer. Cuisance hatte indes seine Momente, in denen er den Sonderapplaus der Fans einheimste. „Er hatte aber mehr Schatten als Licht, daran muss er arbeiten. Mika hat das Zeug, eine ganz Großer zu werden. Aber er muss an sich arbeiten“, sagte Hecking. Allerdings fehlt ihm nach dem U 19-EM auch „der letzte Funken Frische“, vermutete der Trainer.

Hecking gibt dem Nachwuchs aber die Chancen und nimmt die Teenager in Schutz. Zu große Erwartungen führen zu Fehleinschätzungen. „Bei den 18-Jährigen denkt man, dass sie schon sehr weit sein müssen, wenn man sie manchmal sieht. Aber sie sind eben erst 18. Darum sind solche Spiele wichtig für sie“, sagte der 54-Jährige. Spiele, die für sie wichtige Lerneinheiten sind, ein Abgleich mit der Realität des Männer-Fußballs: Wer nur spielen will, bekommt Probleme. Zakaria ist zwar schon 21, doch auch er ist noch wankelmütig. So zeigten die 90 Minuten von Wegberg den Borussen und speziell auch der junge Fraktion, dass „wir noch viel Arbeit haben bis zum ersten Pflichtspiel“, sagte er.