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Seit 1995 nicht zwei Siege zum Auftakt
Borussia und die Kunst des Nachlegens

19. August 1995: Michael Sternkopf, Torschütze zum 2:0, bejubelt den 3:1-Erfolg beim 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg.
19. August 1995: Michael Sternkopf, Torschütze zum 2:0, bejubelt den 3:1-Erfolg beim 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg. FOTO: imago / Liedel
Seit 23 Jahren hat Gladbach nicht mehr die ersten beiden Ligaspiele gewonnen. Wie schon 2017 gibt beim FC Augsburg die Chance, das zu ändern. Von Jannik Sorgatz

Borussia hat den Hattrick geschafft: Zum dritten Mal in Folge gelang ihr zum Auftakt der Bundesligasaison ein Sieg – dreimal in einem mehr oder minder großen Derby, dreimal im eigenen Stadion. 2016 gab es ein 2:1 gegen Bayer Leverkusen, 2017 ein 1:0 gegen den 1. FC Köln und am vergangenen Samstag ein 2:0, wieder gegen Leverkusen. Die Kunst des Nachlegens ist allerdings ausbaufähig. Nicht nur in den vergangenen beiden Jahren gab es im zweiten Spiel keinen Sieg, auf einen perfekten Auftakt mit sechs Punkten wartet Borussia sogar seit 1995.


Damals war gerade die Drei-Punkte-Regel eingeführt worden. Gladbach gewann zunächst 1:0 gegen den SC Freiburg und anschließend 3:1 beim 1. FC Kaiserslautern, wo Martin Dahlin, Michael Sternkopf und Peter Wynhoff die Tore für die Mannschaft von Bernd Krauss erzielten. Am Ende der Saison wurde Borussia Vierter und zog in den Uefa-Cup ein.

Selbst in der 2. Bundesliga gab es in der Zwischenzeit keinen Doppel-Dreier zum Auftakt. Dabei ist die Bilanz in der Bundesliga am ersten Spieltag gar nicht so schlecht. 1998, 2001, 2003, 2006, 2011, 2012, 2016, 2017 und 2018 holte Borussia drei Punkte, in acht von neun Fällen zu Hause, doch selbst nach dem einzigen Auswärtssieg in München vor sieben Jahren nutzte die Mannschaft unter Lucien Favre nicht die Gunst der Stunde. Auf das rückblickend fast schon historische 1:0 beim Rekordmeister folgte ein 1:1 gegen den VfB Stuttgart.



Es müsste also einiges zusammenkommen am Samstag beim FC Augsburg. Die Verantwortlichen und Spieler können es schon gar nicht mehr hören, und natürlich hat die schwarze Serie beim FCA – sieben Gastspiele in der Bundesliga, vier Unentschieden, kein Sieg – keine Auswirkung auf die Erfolgschancen in dieser Saison. Fakt ist jedoch, dass Borussia mehr Anläufe für den ersten Auswärtssieg nur beim FC Bayern (31) und beim 1. FC Nürnberg (neun) benötigt hat. Ortsunabhängig hat Gladbach zudem nur gegen RB Leipzig eine schlechtere Siegesquote als gegen Augsburg.

Vergangene Saison war Borussia so nah dran am Sieg in Augsburg wie nie zuvor (abgesehen von der 2. Bundesliga, wo Sascha Rösler und Rob Friend 2007 noch im alten Rosenaustadion für ein 2:0 sorgten). Denis Zakaria und Oscar Wendt drehten den frühen Rückstand noch vor der Pause, danach geriet Dieter Heckings Mannschaft aber derart unter Beschuss, dass das 2:2 durch Sergio Cordova in der 89. Minute noch schmeichelhaft war. Der Venezolaner erzielte damals sein erstes Bundesligator und war auch im Testspiel Ende Juli am Tegernsee erfolgreich, als Borussia mit 2:1 siegte.

Insgesamt fünfmal hat Borussia die ersten beiden Ligaspiele gewonnen, das sechste Mal würde eine Durststrecke von 23 Jahren beenden. 1998 verlor Borussia 1:2 in Kaiserslautern, 2001 gab es dort ein 2:3, 2003 spielte die Mannschaft 1:1 bei Werder Bremen, 2006 verlor sie 0:1 in Nürnberg, 2011 wie gesagt das Remis gegen Stuttgart, 2012 ein 0:0 in Düsseldorf, 2016 ein 1:3 beim SC Freiburg und 2017 der übliche Nicht-Sieg in Augsburg. Ein Sieg am Samstag wäre ein Zeichen, mit denen hat sich Borussia vergangenes Jahr schwergetan. Zwei Bundesliga-Siege in Folge gab es zuletzt im November 2017 und in dieser Zeit überhaupt nur einen Auswärtssieg.