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Perfektes Liga-Debüt für Beyer und Neuhaus
Beyer und Neuhaus glücklich: „Es war einfach toll“

Großtat beim Debüt: Jordan Beyer rettet bei Kevin Vollands Schuss auf der Linie.
Großtat beim Debüt: Jordan Beyer rettet bei Kevin Vollands Schuss auf der Linie. FOTO: AP / Martin Meissner
Jordan Beyer und Florian Neuhaus feierten bei Borussias 2:0 gegen Leverkusen ihr Bundesliga-Debüt. Beide trugen entscheidend zum Auftakt-Sieg bei. Von Karsten Kellermann

Am Ende kam noch eine Frage auf. „Louis“ oder „Jordan“, welcher der beiden in seinem Pass eingetragenen Vornamen ist dem jungen Herrn Beyer aus Kempen lieber? „Jordan“ sagte der 18-Jährige bevor er entschwand, um den Rest des für ihn so bedeutenden Tages, an dem er sein Bundesliga-Debüt bei Borussias 2:0 gegen Bayer Leverkusen gefeiert hat, zu genießen. Mit seiner Familie, mit seinen Freunden, „alle waren im Borussia-Park“, sagte er.


Trainer Dieter Hecking vertraute dem Teenager wie im Pokalspiel beim BSC Hastedt den Job hinten rechts an, der in der Vorbereitung frei geworden ist durch die Verletzung des Schweizers Michael Lang. Das Bundesliga-Debüt im nahezu ausverkauften Borussia-Park bei einem Sieg im „kleinen Derby“ – etwa so dürfte sich Beyer in seinen Träumen „erste Mal“ ausgemalt haben.

„Er hat es gut gemacht“, lobte Torhüter Yann Sommer den Jüngling. Leon Bailey, Kevin Volland oder Julian Brandt waren die Herrschaften, mit denen sich Beyer wahlweise auseinandersetzen musste. „Es ist ein Privileg, gegen solche Spieler anzutreten, aber letztlich sind wir alle Fußballer“, sagte er. Er hat den nötigen Respekt vor der Aufgabe, doch auch das gesunde Selbstbewusstsein, sie anzunehmen.



Bailey kam vor der Pause zweimal zum Abschluss, einmal verhinderte die Querlatte den Gegentreffer. Und später, als Volland schoss, Beyers breite Brust kurz vor der Torlinie. „Ich hoffe, dass ich dem Team helfen konnte“, sagte er. In der Szene ganz sicher sogar elementar. Denn wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, wenn das in der ersten Halbzeit reifer wirkende Leverkusen in Führung gegangen wäre.

Dass Beyer in der Szene alles richtig machte, passte zum Rest des Spiels. Dabei war er kurz vor dem Anpfiff, als er im Spielertunnel stand, „gefühlt fast zusammengebrochen“. Was Wunder für einen, der „bis jetzt in der A-Jugend-Bundesliga vor 100 Zuschauern und jetzt vor 54.000“ gespielt hat. Doch bei jeder gelungen Aktion gab es den Applaus der Fans. „Ich kann mich für die Unterstützung nur bedanken“, sagte Beyer.

Die Borussen hätten mit einem 3:0-Sieg zumindest für eine Nacht die Tabellenspitze erklimmen können, doch das ist ein ebenso lässliches Manko des Tages wie die Tatsache, dass Beyer die große Chance verpasste, dafür zu sorgen. Das war in der Szene als es kurios zuging vor dem Leverkusener Tor und Beyer einer von mehreren Borussen war, die es nicht schafften, den Ball ins Netz zu treten. „Es ist ärgerlich, natürlich hätte ich bei meinem Debüt gern auch getroffen“, gestand er. „Aber vielleicht ein anderes Mal.“

Beyer war nicht der einzige Debütant an diesem Tag. Yann Sommer war zum ersten Mal Kapitän der Borussen in einem Pflichtspiel und Jonas Hofmann gelang mit dem Elfmeter zum 1:0 das erste Tor für Gladbach in der Liga. Zudem machten auch Florian Neuhaus und Alassane Plea, der in der 79. Minute für Raffael kam, ihr erstes Bundesliga-Spiel. Neuhaus gehörte neben seinem Mit-Achter Hofmann zu den Besten seines Teams. Er wurde zum Spieler des Spiels gekürt. Sein beherzter Lauf in den Strafraum, bei dem gefoult wurde, brachte den Elfmeter zum 1:0.

Beyers Rettungstat, Neuhaus’ Elfmeter-Aktion - beide Debütanten trugen also entscheidend zum Auftaktsieg bei und zeigten, dass sie der Bundesliga gewachsen sind. Bundestrainer Joachim Löw, der im Stadion war, dürfte von dem einen oder anderen Borussen recht angetan gewesen sein. Wer weiß, wer für den Neustart des Nationalteams möglicherweise infrage kommt. Insgesamt sah Löw vor allem nach der Pause, wozu die neue Borussia im neuen 4-3-3-System in der Lage ist. „In der zweiten Halbzeit sollte die Mannschaft noch höher attackieren, Leverkusen früher angreifen. Das hat hervorragend geklappt, wir hatten tolle Balleroberungen, nach denen wir sehr gut umgeschaltet haben. Es ist toll, wie die Mannschaft unsere Ideen in den letzten Wochen umgesetzt hat. Viele Dinge greifen“, sagte Hecking.

Das 2:0 durch Fabian Johnson war das Ergebnis einer sehenswerten Kombination, an der Hofmann und Neuhaus in der Entstehung beteiligt waren. Dann schaltete Raffael den Turbo an, kam in den Strafraum, spielte mit Johnson Doppelpass und legte dann dem Amerikaner den Treffer auf. Raffael feierte das Tor, als hätte er es selbst erzielt – das zeigt, wie sehr dem „Maestro“ die Aktion gefallen hat. Ob es nun „Tiki-Taka“ oder „Ramba-Zamba“ war in jener 58. Minute – dieser Treffer rundete den für alle Borussen gelungenen Tag ab. Es passte alles: Zum dritten Mal in Folge gewann Borussia das Auftaktspiel, die Debütanten kamen gut in der Bundesliga an, das neue System scheint zu greifen. „Es war einfach nur toll“, resümierte Jordan Beyer.