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Der Rechtsverteidiger aus der Schweiz soll kommen
Michael Lang - ein Typ für Borussias neue Masche?

Der erfahrene Schweizer Rechtsverteidiger vom FC Basel soll wohl kommen. Er ist ein Defensiver, der auch gern nach vorn geht. Das sagt auch etwas über Gladbachs Offensiv-Ansatz aus. Von Karsten Kellermann

Der Mann ist ein echter Haudegen: 272 Spiele in der Ersten Schweizer Liga für den FC St. Gallen, den Grasshopper Club Zürich und derzeit den FC Basel sowie 35 Europapokal-Spiele hat Michael Lang gemacht, 25 Einsätze kommen im Nationalteam zusammen, der letzte war der beim 1:1 der Schweizer gegen Brasilien bei der Weltmeisterschaft in Russland. Lang, bei den Eidgenossen hinten rechts die Nummer zwei hinter Stephan Lichtsteiner, kam am Ende rein, um den Punkt gegen den Rekordweltmeister zu verteidigen. Beim 2:1 gegen Serbien in der zweiten WM-Partie spielte er nicht mit.


Die Borussen-Fans werden beim Brasilien-Spiel in den drei, vier Minuten, in denen er spielte, weniger auf Lang geschaut haben als vielmehr auf Denis Zakaria, den Borussen, der 19 Minuten vor dem Abpfiff eingewechselt worden war, vor allem aber auf Yann Sommer, der in den letzten Minuten mit starken Paraden das 1:1 festhielt. Der eine oder andere wird sogar geklagt haben, weil er statt Lang lieber den Borussen Nico Elvedi gesehen hätte.

Doch werden die Gladbach-Freunde vielleicht im entscheidenden Spiel der Schweizer am Mittwoch gegen Costa Rica etwas mehr auf den langhaarigen Rechtsverteidiger achten, wenn er spielen sollte. Denn er könnte bald für Gladbach auflaufen. Borussia soll sehr interessiert sein an Lang, es soll sogar weitgehend alles geklärt sein für einen Transfer. Lang gilt in Basel als einer, der etwas zu sagen hat. Gepaart mit seiner Routine auf dem Rasen wäre er also auch der „Typ“, nach dem Borussias Manager Max Eberl sucht. Zwischen vier und fünf Millionen Euro würde Lang wohl kosten, wenn ihn der FC Basel trotz seines bis 2019 datierten Vertrages ziehen lässt.



Kommt Lang, wäre nach dem Linksverteidiger Andreas Poulsen (18, FC Midtjylland) auch ein neuer Mann für rechts da. Und zwar wie Poulsen einer, der auch offensiv denkt. 31 Tore in der Schweizer Liga, dazu 24 Assists, drei Treffer in der Champions League und je zwei in der Europa League und in der Nati – das sind beachtliche Werte. Anfang des Jahres wurde er zum besten Spieler der Schweizer Liga des Jahres 2017 gewählt.

Was sagen die Personalien über den Plan für die neue Saison aus? Borussia will offenbar von hinten mehr Dampf über die Flügel machen. Es gab mal ein Duo in Gladbach, dass extrem dafür stand: Thomas Kastenmaier und Jörg Neun. Das waren die Außenverteidiger beim Pokalsieg 1995, der am Sonntag Jahrestag hatte, weil das Finale gegen Wolfsburg (3:0) am 24. Juni vor 23 Jahren war. Spieler wie Poulsen, Lang oder Oscar Wendt sind wie Kastenmaier und Neun veranlagt.

Nun kann man sich die Herren sowohl in einer defensiven Viererkette als auch als vorgezogene Außenverteidiger in einem 3-5-2-System vorstellen. Eine Dreierkette wäre durch den Zukaufs Langs eine Denkoption, weil Nico Elvedi, bislang vor allem rechts eingesetzt, nach innen rücken könnte. Dort machte er in der vergangenen Saison sehr gute Spiele, unter anderem beim starken 3:1 bei 1899 Hoffenheim. Sein Nebenmann war da Jannik Vestergaard. Der könnte noch ein Abgang werden, zumindest ist er, wie der Belgier Thorgan Hazard, ein gern genommenes Spekulationsobjekt.

Die Tatsache, dass Borussia offensiv ausgerichtete Außenverteidiger holt, stützt die These, dass es vorn eine Neu-Ausrichtung gibt. Da wäre die Nummer 9, die Borussia sucht, nicht mehr die B-Variante, sondern mindestens die 1B-Lösung. Wenn von außen viele Hereingaben kommen, muss der Strafraum konkret besetzt werden — da wären Mittelstürmer-Typen wie Niclas Füllkrug (25) oder Alassane Plea (25), beide im Gespräch bei Borussia, dankbare Abnehmer. Auch bei der WM in Russland wird der Trend hin zum Mittelstürmer deutlich, siehe Englands Harry Kane (fünf Tore) oder Belgiens Romelu Lukaku (vier). Lang flankt, Füllkrug trifft — ist das eine Gladbach-Masche der Zukunft?