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Borussias neuer Rechtsverteidiger
Der „Stranzl-Faktor“ ist hoch bei Lang

Borussia hat den Schweizer für vier Jahre verpflichtet. Der Rechtsverteidiger ist offensivstark und kann ein Boss im Team werden. Von Karsten Kellermann

Martin Stranzl hat seine Karriere vor zwei Jahren beendet. Doch sein Geist ist geblieben, nicht nur, weil er bis heute Co-Trainer der U19 Borussias war. Der Name Stranzl ist im inoffiziellen Borussen-Duden zum Synonym geworden. Wer „Stranzl“ sagt, sagt „Typ“, „Charakterspieler“, „Boss“. Meistens wird das Wort gebraucht in Sätzen wie „einer wie Stranzl fehlt Borussia“. Das heißt: „Es fehlt ein Typ.“ Sätze wie diese fallen meist, wenn etwas verpasst wurde – und Borussia hat in den letzten beiden Spielzeiten etwas verpasst. Das Pokalfinale, Europa gleich zweimal, vor allem aber: Spiele zu gewinnen, in denen es darauf ankam, erfolgreich zu sein. Spiele, in denen Typen wie Stranzl den Unterschied machen, „die vorneweg gehen, wenn es mal nicht läuft“, wie Stranzl sagt.


Man könnte nun befürchten, dass das Problem wächst. Denn Borussia verliert Stranzl nun endgültig. Er geht mit seiner Familie zurück in die Heimat, ins idyllische Burgenland, statt weiter Borussias Nachwuchs beizubringen, wie kompromisslos verteidigt wird. Das war sein Geheimnis: Stranzl war immer hart gegen sich selbst und gegen andere. Er hat keine Kompromisse gemacht, nicht auf dem Rasen, nicht daneben. Typen wie er heißen in seiner Heimat „Wunder-Wuzzi“, Alleskönner.

Auch Granit Xhaka war einer, der voranging, auch er wird vermisst. „Er musste aber auch erst in diese Rolle reinwachsen. Wir hatten mit Filip Daems, Roel Brouwers und mir erfahrene Leute, die ihm dabei geholfen haben, Granit hat das angenommen. Gewisse Dinge muss man sich einfach erarbeiten. Und vielleicht entwickelt sich da auch bei Borussia in der nächsten Zeit wieder etwas“, sagte Stranzl.



Neue Typen braucht Borussia. Manager Max Eberl hat auch darum geduldig mit Hannover 96 um Niclas Füllkrug verhandelt, weil der einer ist, der vorangeht. Doch der Stürmer hat sich entschieden in Niedersachsen zu bleiben. Eberl muss also weitersuchen, für hinten hat er bereits einen, der die Typ-Merkmale erfüllt, der kommt, wenn die WM vorbei ist: Michael Lang, 27 Jahre alt, von Beruf Rechtsverteidiger, hat einen Vierjahres-Vertrag unterschrieben. Er kommt vom FC Basel, wie einst Xhaka und Torwart Yann Sommer.

Über 300 Spiele hat Lang als Profi gemacht, in der Schweizer Liga, in der Champions- und Europa League, im Nationalteam. Im Januar wurde er in der Schweiz zum besten Spieler des Jahres 2017 gewählt. Am Dienstag, wenn die Schweiz im WM-Achtelfinale gegen Schweden spielt, wird er zur Startelf gehören, weil Stephan Lichtsteiner gesperrt ist. Aber wie hoch ist sein Stranzl-Faktor?

Einer, der es wissen muss, ist Georg Heitz. Er war von 2008 bis 2017 Sportdirektor des FC Basel. Lang kannte er schon, als dieser noch ein Teenager war. „Wir wollten ihn schon mit 16 oder 17 zu Basel holen“, sagt Heitz. „Da ist es uns nicht gelungen, aber wir haben ihn immer im Blick gehabt.“ 2015 klappte es dann doch, seither wurde Lang mit Basel zweimal Meister und einmal Pokalsieger, letzteres hatte er bereits mit dem Grasshopper Club Zürich geschafft. In drei Jahren machte Lang 122 Pflichtspiele für Basel, schoss 26 Tore und bereitete 18 vor, wohlgemerkt: als Defensivmann. „Er ist bereit für die Bundesliga, Gladbach kann sich auf ihn freuen“, sagt Heitz.

Lang war auch Vize-Kapitän. Er ist also einer, der Verantwortung übernimmt. „Michael ist kein Lautsprecher, aber ein echter Leader. Er ist sehr professionell und sehr verlässlich, er ist ein intelligenter Spieler, einer, der auch in schwierigen Situationen stehen bleibt“, sagt Heitz über Lang, der aus St. Gallen kommt. Von dort kam 2001 auch Borussias erster Schweizer, Jörg Stiel. Frisuren-technisch gleichen sich der charismatische Torhüter und Lang. Stiel war damals sofort mitten drin im Borussen-Team, das traut Heitz auch Lang zu. „Er hat genug Erfahrung, um sich schnell einzufügen, ist ein echter Teamplayer“, sagt der 48-Jährige.

Stiel war zu seiner Zeit einer der Bosse, das kann auch Lang werden, da ist sich Heitz sicher. „Aber er ist zurückhaltender als Jörg“, sagt er. Trotzdem hat Lang einen hohen Stranzl-Faktor.