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Neuer Linksverteidiger
Andreas Poulsen ist der 18. Däne

1969 machte Ulrik le Fevre als erster Däne in Mönchengladbach den Anfang, der 18-Jährige setzt die Tradition fort. Er fordert Oscar Wendt heraus und soll die Zukunft hinten links sein. Von Karsten Kellermann

Ein kurzer Film, den Borussia via Twitter verbreitete, zeigt Poulsen, wie er mit Eberl auf dem Logen-Balkon des Borussia-Parks steht und sich staunend umsieht. „Es ist groß, das Stadion, auch der Verein ist groß, größer als der FC Midtjylland“, sagt Poulsen, der einen Vertrag bis 2023 bekommen hat.


Wer sich das Youtube-Video anschaut, in dem seine Fähigkeiten zusammengefasst sind, versteht, was er meint: Da spielt er in ganz kleinen Stadien vor teilweise ganz kleinem Publikum. Er wird es sich längst ausgemalt haben, wie es sein wird, wenn er zum ersten Mal ein Pflichtspiel im Gladbacher Stadion bestreitet. Doch er weiß auch, dass er darauf möglicherweise ein wenig warten muss. Denn seinen Posten, den des linken Verteidigers, hat seit Jahren Oscar Wendt inne, und auch wenn der Schwede nicht immer unumstritten war, wird er dem jungen Herausforderer den Weg nicht ohne Widerstand frei machen wollen. Doch Konkurrenz kann in alle Richtungen nicht schaden.

Poulsen ist nach Keanan Bennetts (19) und Torben Müsel (18) der dritte Teenager für die neue Saison, allein der vierte Zugang Florian Neuhaus (21) ist über 20. Vier Millionen Euro kostet Poulsen. Viel Geld für einen so jungen Kerl. Doch das Beispiel des Schweizers Nico Elvedi zeigt, dass sich die Investition lohnen kann. Elvedi ist gleich in seiner ersten Saison Stammspieler geworden und ist nun bei der WM. Wer ihn kaufen will, müsste 20 Millionen Euro plus einplanen.



Poulsen hat einen Vertrag über fünf Jahre unterzeichnet. Er ist als langfristige Lösung für hinten links angedacht. Zunächst wohl eher als Lehrling hinter dem erfahrenen Wendt, doch was das angeht, wird die Zeit zeigen, wann die Zukunft genau beginnt. Mit seinem Konkurrenten hat er nicht nur gemein, Skandinavier zu sein. Auch  den Hang zur Offensive teilen sie.

„Ich bin voller Energie, schnell und will mich auch offensiv zeigen“, sagt Poulsen. Für Dänemarks U19 hat er in zehn Spielen fünf Tore erzielt, auch das beschriebene Youtube-Video belegt seine Worte. Flankenläufe und Tore sind da zuhauf zu sehen, letztere aus dem Spiel heraus ebenso wie nach Standards, bei denen er als 188 Zentimeter langer Kerl natürlich etwas bewegen kann.

Poulsen kann die gesamte linke Seite abdecken – das ist gut, denn damit ist er sowohl für den Außenverteidiger-Job in der Vierer- als auch in einer Dreierkette geeignet.

Als offensiv denkender Verteidiger ist er sozusagen die Klammer der dänischen Trends bei Borussia. Die ersten Dänen waren Angreifer. 1969 machte Ulrik le Fevre, der Flügelstürmer, den Anfang, es folgten Henning Jensen und  Allan Simonsen.  2005 war Kasper Bögelund der erste dänische Verteidiger in Gladbach, danach waren fünf von sieben Dänen bei Borussia Abwehrspieler. Poulsen ist jetzt der dritte in Serie nach Andreas Christensen und Jannik Vestergaard, mit dem er künftig links ein dänisches Defensiv-Duo bilden könnte.

Insgesamt ist Poulsen der 18. Däne in Borussias Vereinsgeschichte. Seine Landsleute hatten alles in allem  1279 Einsätze als Borussen.  Die gute Tradition verpflichtet, schließlich sind die Dänen am Niederrhein als kompatibel, teamfähig und verlässlich bekannt. Poulsen kommt auch als Rekordmann. So viel wie die vier Millionen Euro, die Borussia bezahlt, sei noch nie für einen dänischen Teenager ausgegeben worden, ließ Midtjylland wissen.

Poulsen ist überzeugt, dass Gladbach die richtige Wahl ist. „Hier wird guter Fußball gespielt. Und der Verein setzt auf junge Spieler – das ist sehr wichtig für mich“, sagt er. Damit hat er im Wesentlichen die selbst definierte Borussia-DNA zusammengefasst. Ein dänisches Fohlen – das klingt, als ob es im Grundsatz passen könnte mit Borussia und dem jungen Herrn Poulsen.