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Borussias bester Torjäger
Plea braucht die Coolness vor dem Tor

 Entschlossener Blick, aber zuletzt erfolglos auf der Suche nach dem Tor: Borussias bester Torschütze Alassane Plea.
Entschlossener Blick, aber zuletzt erfolglos auf der Suche nach dem Tor: Borussias bester Torschütze Alassane Plea. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Borussias bester Torjäger ist noch nicht auf dem Niveau wie in der Hinrunde. Trainer Dieter Hecking vertraut den Qualitäten des Franzosen dennoch wohl auch in Frankfurt. Im Hinspiel gegen die Eintracht traf Alassane Plea. Von Karsten Kellermann

Alassane Plea hat es versucht. Fünfmal schoss er auf das Tor von Hertha BSC, doch getroffen hat Borussias bester Torschütze dieser Saison nicht gegen den Klub aus der Hauptstadt. Auch die drei Vorlagen, die er produzierte, führten zu nichts, Borussia unterlag den Berlinern 0:3. Plea machte dabei eines seiner schlechteren Spiele als Borusse. Er war trotz der regen Abschlussquote wenig eingebunden ins Geschehen. Das kam auch vorher mal vor, doch dann war da oft die extreme Coolness vor dem Tor, die ihn auszeichnet. Die hatte er gegen Berlin nicht.


Zehn Tore hat Plea in dieser Saison erzielt. Dass er ein Strafraumstürmer ist, belegt seine Quote in der „Box“: 42 seiner 56 Abschlüsse entstanden dort – und acht seiner zehn Tore. Eines davon, das 1:1 in Augsburg, war ein Kopfball im Fünfmeterraum. In Wolfsburg und in München traf er aus der Ferne, in beiden Fällen war es der „Plea-Move“. Der geht so: von links in die Mitte ziehen und ab ins lange Eck mit dem Ball.

Auch wegen dieser Taten gehört Plea zu den Spielern, die in dieser Saison besonders im Fokus sind. Seine Qualitäten hatten Trainer Dieter Hecking und Sportdirektor Max Eberl schon vorher gesehen und ihn deswegen, so sagte Eberl zuletzt bei Sky, als „Benchmark“ definiert, als Spieler, der für Borussias neuen Weg steht mit seiner Art, die Stürmer-Rolle zu interpretieren. Plea ist der Typ Torjäger, der Borussia gefehlt hatte.



Seine Tore in Wolfsburg und München waren jeweils das 1:0, viermal schaffte er das insgesamt. Auch im Hinspiel gegen Frankfurt war es so, als er sein erstes Heimtor für Gladbach erzielte. Und wie: Nach dem Zuspiel von Florian Neuhaus „zimmerte“ Plea den Ball in die kurze Ecke. Aus ähnlicher Position traf er beim Rückrundenauftakt in Leverkusen, nur, dass er da die lange Ecke anvisierte. Seither gab es aber kein Plea-Tor. Die Gelegenheit dazu war da, kein anderer Borusse schießt im Schnitt öfter aufs Tor als der Franzose. Seine durchschnittliche Schussbilanz der Rückrunde passt in seinen Gesamtschnitt: drei Schüsse pro Spiel.

Doch jenseits des Leverkusen-Tores fehlt aktuell die Präzision. Nur zweimal traf Plea in den letzten zehn Spielen, und in der Rückrunde läuft es auch spielerisch nicht rund bei ihm. Das gilt indes für die gesamte Offensivabteilung, die noch nicht die gehobene Qualität der Hinrunde erreicht hat. Da ging es vorne zuweilen traumwandlerisch sicher zu, und vor allem war da viel Effektivität. Weswegen Kapitän Lars Stindl nun monierte, dass doch zu viele Chancen ungenutzt geblieben sind zuletzt, was sich nun gegen Berlin erstmals gerächt habe. Borussia muss wieder effektiver werden. Dass Plea dabei eine wichtige Rolle zukommt, auch jetzt in Frankfurt, ist logisch.

Die Frage vor der Reise nach Hessen ist: auf welcher Position? Im Hinspiel war er der zentrale Mann im Dreierangriff, flankiert wurde er von Thorgan Hazard und Patrick Herrmann. Allerdings war Lars Stindl da noch verletzt. Inzwischen ist der Kapitän der Mann im Zentrum des Sturms, Plea kommt über den linken Flügel. Schwillt aber Jonas Hofmanns Knöchel nicht entscheidend ab bis Sonntag, könnte Stindl den dann freien Job als Achter übernehmen, Plea in die Mitte rücken und Herrmann über den Flügel kommen. Dann wäre es wie im Hinspiel.

Letztlich aber hat Plea sowohl durch die Mitte (vier Tore) als auch über links (fünf Tore) schon gut getroffen. Was er wieder braucht, ist die Selbstverständlichkeit mit der er zwischen dem zweiten und elften Spieltag vor dem Tor agierte: acht Tore und drei Vorlagen kamen da in zehn Spielen zusammen. Er war auch in jener Zeit in einigen Spielen unauffällig, doch dann kamen quasi aus dem Nichts seine Tore. Diese Fähigkeit macht ihn zum Unterschiedsspieler. Darauf setzt Hecking weiter. „Es stimmt, dass er zur Zeit nicht so auffällig agiert, aber bei ihm mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Es gehört ja auch zu seinem Spiel, dass er manchmal gar nicht zu sehen ist und dann wieder eiskalt zuschlägt“, sagte Hecking zuletzt. Plea will den Vertrauensvorschuss des Trainers möglichst bald in Toren zurückzahlen.