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Bob Dylan huldigt Frank Sinatra und gibt sich stoffelig wie immer

Saarbrücken. Nur 3600 Fans wollten den „großen“ Bob Dylan sehen, der am Samstag in der Saarlandhalle gastierte, wo er – seinem Ruf als stoffeliger Egozentriker getreu – eine selbstbezogene Show ablieferte. Fotografieren? Verboten. Sebastian Dingler

Superstars wie er treten normalerweise gar nicht im Saarland auf - denn die Saarlandhalle erfüllt schon lange nicht mehr heutige Standards für Top-Konzerte. Woran also liegt es, dass ein Top-Act wie Bob Dylan am Samstagabend nicht mehr als 3600 Zuhörer begeistern konnte? Der 74-Jährige gilt als stoffeliger Exzentriker, seine Fans wissen, dass er gerade die Hits, die ihn berühmt machten, in der Regel nicht bei seinen Konzerten spielt. "Knockin' on heaven's door", "Mr. Tambourine Man" oder der Lagerfeuer-Klassiker "Blowin' in the wind" stehen stehen selten auf der Song-Liste. Stattdessen spielt Bob Dylan einfach das, worauf er selber Lust hat.

Beim Gastspiel in der Saarlandhalle stammte ein großer Teil des Repertoires noch nicht mal aus seiner Feder. Denn Dylan hat in den vergangenen Jahren Gefallen daran gefunden, sich an Songs zu versuchen, die durch Frank Sinatra bekannt geworden sind - und das trotz der Tatsache, dass er zwar als genialer Texter und Songschreiber in die Rockgeschichte eingegangen ist, aber nicht unbedingt als großartiger Sänger. Bob Dylan besitzt diese unverkennbar heisere Stimme mit Stimmbändern wie aus Sandpapier. Welch Gegensatz zum Wohlklang Sinatras! Nichtsdestotrotz meisterte Dylan die Swing-Nummern mit Bravour, obwohl er dabei richtiggehend singen musste, anstatt wie bei den eigenen Songs ins Mikrofon zu nuscheln und zu grummeln; überhaupt lebte das Konzert vom rauen Charakter ebendieser Stimme, die die harmonisch-sauber spielende Band wunderbar kontrastierte. Mit Akustikgitarre, E-Gitarre und viel Steel Guitar lag der stilistische Schwerpunkt des Konzerts bei Country und Folk. Dylan selbst setzte sich dazu gelegentlich an den Flügel.

Die heimelig-schummrige Bühnenbeleuchtung zauberte wiederum ein Jazzclub-Ambiente in die Halle. Das war stimmig und begeisterte die Fans , die ja ihren "Meister" mit all seinen Marotten kennen. Zum Image eines notorischen Stoffels trägt schon seit Jahren Dylans steinerne Miene und sein Verweigern von Ansprachen ans Publikum bei. Das war bis auf zwei Ausnahmen in Saarbrücken nicht anders: Erstens, er kündigte die Pause zwischen den Sets an (!) und zeigte zweitens während "Long and wasted years" gar ein kurzes Lächeln. Als Zugabe genehmigte er dem Publikum dann doch noch einen Klassiker, nämlich besagtes "Blowin' in the wind"; allerdings so sehr verfremdet, dass Mitsingen unmöglich war. Genau das schien die Absicht des großen alten Querkopfes gewesen zu sein.