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„Blödflocke“ war gestern

Saarbrücken. Klavier, Gesang, Streicher, Percussion und Bläser erfüllten die Musikhochschule beim 52. Landeswettbewerb mit ihren Klängen. Einige junge Musiker entstaubten dabei auch die oft als piefig geschmähte Blockflöte. Kerstin Krämer

"Wir suchen einen Raum zum Warmspielen!" - "Können Sie mir sagen, wo die Schillerschule ist?" -"Darf man da einfach so reingehen?" Am Grad der Orientierungslosigkeit der Eltern merkt man, wessen Sprössling schon mal am Landeswettbewerb "Jugend musiziert" teilgenommen hat: Die Routiniers unter den Eltern sind gelassen, die Neulinge wuseln aufgeregt durch die Gänge der Hochschule für Musik (HfM) Saar - mit deutlich mehr Lampenfieber als der Nachwuchs, der tatsächlich Grund dazu hätte. 73 Teilnehmer und 30 Begleiter: Beim 52. Landeswettbewerb Saar sind Blech- und Holzbläser, Zupfinstrumente, Orgel und Musicalgesang in der Solowertung; als Formationen stellen sich Schlagzeug-Ensembles, Duos aus Klavier plus Streichinstrument oder Klavier zu vier Händen den kritischen Ohren der Jurys. Ebenfalls vertreten: die gerne als "Blödflocke" geschmähte und von Generationen bockiger Grundschüler misshandelte Blockflöte. Dass das arme Instrument zu Unrecht verkannt wird, beweist etwa Tobias Sparmann in Altersgruppe IV. Bei Noten von Francesco Barsanti meistert er flinke Läufe und Triller, bringt Jurorin Ingrid Paul mit einer musikantischen Interpretation von Ernest Krähmers "Variations Brillantes" zum Mitwippen und imitiert bei Jürg Baurs "Pezzi Ucelli" gekonnt Vogelgezwitscher: scharfe Diskant-Töne, Pfeifgeräusche, dann wieder verhaltene Laute - ja, die Blockflöte taugt durchaus auch für Neue Musik. Ein ganzes Arsenal aus Alt-, Sopran- und Sopranino-Blockflöten hat Johanna Cornelia Löw aus Altforweiler bei Saarlouis mitgebracht. Es ist ihr erster Landeswettbewerb, nachdem sie im Vorjahr im Fach Klavier bereits beim Regionalentscheid einen ersten Preis mit voller Punktzahl ergattern konnte, aber noch zu jung war, um auf Landesebene mitmachen zu dürfen. Gerade mal zehn Jahre alt, tritt das zierliche Persönchen nun selbstbewusst und konzentriert in der niedrigsten Altersstufe II an und verblüfft mit Irmtraud Geywitz' "Eichhörnchen-Song für Blockflöte und Body-Percussion" (1965). Hier gilt es, die Flöte mit einer Hand zu halten, Füßestampfen und Händeklatschen zu koordinieren, gleichzeitig zu blasen und zu singen und dem Instrument mittels "sputato" (mit viel Luft geblasen), Überblasen, Zungenflattern oder Lippenvibrato ungewöhnliche Tonformungen zu entlocken. Johanna "biss schon als Kleinkind in die Flöte " und wird seit ihrem dritten Lebensjahr von ihrer Mutter Ute Heupel-Löw unterrichtet. Als Musiklehrerin am Peter-Wust-Gymnasium Merzig und Instrumentallehrerin an der Kreismusikschule Saarlouis ist sie täglich mit Vorurteilen konfrontiert: "Dass man Blockflöte studieren und im Konzert spielen kann, ist tatsächlich wenig bekannt!" Nach ihrem Debüt ist Johanna sichtlich erleichtert: "Eigentlich bin ich ganz zufrieden, aber ich hatte sehr viel Spucke im Mund." Das wird sie jedoch nicht daran hindern, 2016 wieder anzutreten - dann mit einem Ensemble für Alte Musik.

Preisträgerkonzert: Sonntag, 26. April, 10.30 Uhr, Hochschule für Musik Saar .