Bleibt er oder geht er nicht?

Bleibt er oder geht er nicht?

Saarbrücken. Wie andere ihr Navigationsgerät, so hütet Emmanuel Peterfalvi (41) seine orangene Trainingsjacke, die er immer aus dem Auto nimmt, eine echte DDR-Antiquität. Den Puschel lässt er lieber in Hamburg, weil man das Flokati-Riesending am Flughafen dauernd auf Sprengstoff untersucht. Also hat er jetzt ein zweites im Saarland deponiert

Saarbrücken. Wie andere ihr Navigationsgerät, so hütet Emmanuel Peterfalvi (41) seine orangene Trainingsjacke, die er immer aus dem Auto nimmt, eine echte DDR-Antiquität. Den Puschel lässt er lieber in Hamburg, weil man das Flokati-Riesending am Flughafen dauernd auf Sprengstoff untersucht. Also hat er jetzt ein zweites im Saarland deponiert. Die pelzige Verkleidung des Mikros ist übrigens kein Gag, sondern praktisch: ein Windschutz. Sieht aber ziemlich abgedreht aus und scheint angewachsen, wie die Jacke. Wer so ein Ding trägt, kann nicht eitel sein. Das bestätigt sich. Aber schlau. Im Jahr 2000 fand Peterfalvi sie im Fundus des NDR, wo er nach Inspirationen fahndete. Dort erlebte er "einen magischen Moment": Plötzlich war da Alfons. Hinter dessen Einfaltspinsel-Fassade lebt es sich ungeniert hinterfotzig. Die Kunstfigur, sagt Alfons, sei gebaut aus seinen "Macken, die ich ein bisschen vergrößert habe". Wozu der Akzent nicht zähle.

Alfons' Eltern sind Franzosen. Er kam vor 17 Jahren nach Hamburg, konnte dort bei "Kanal Plus" ein Ersatz-Praktikum für den Militärdienst absolvieren. Er blieb, ist in Hamburg verheiratet, hat zwei Kinder, liebt die Natur, das Bergsteigen, und fährt jährlich 14 Tage in die Provence, um Lavendel zu pflücken. Schließlich wollte er als Kind Bauer werden - oder Radiomann. Sehr früh begannen die Praktika, später gründete er einen Piraten-Sender. Die Faszination blieb.

"Ich kann mit weniger starkem Akzent sprechen, aber das kostet viel Konzentration. Und beim Drehen muss ich locker sein." Das scheint - neben Höflichkeit - eine seiner leichtesten Übungen. Warum sollte ihn die nahe liegende Frage nach der immer noch offenen Vertragsverlängerung in Verlegenheit bringen? "Es ist doch noch Zeit. Ich habe noch nie einen Vertrag gemacht, der länger dauert als zwölf Monate. Dann kann man richtig viel Energie investieren, und das Publikum entscheidet." Hat es wohl schon. Laut SR liegen die Einschaltquoten bei der TV-Sendung "Alfons & Gäste" höher als bei "Roglers Rasendem Kabarett", annähernd auf "Scheibenwischer"-Niveau. Das macht gelassen. Überhaupt wirkt Alfons völlig frei von der Platzhirsch-Berufskrankheit vieler Kollegen. Nur Details will er verändern, keine Alfons-Personality-Show installieren. Keinerlei Vorbehalte gegen einen vermeintlichen Comedian-Flachwurzler spürt er beim hiesigen Publikum. "Sie bekommen die Inhalte, die sie sich wünschen." Denn er sieht sich "scharf politisch". Tatsächlich decouvrieren seine Unsinns-Straßen-Umfragen - "Wären Sie lieber schwul oder Politiker?" - die politische Alltags-(Un)Bewusstseinlage im Land in selten brutaler Art.

Und wie französisch empfindet ein Franzose das französischste Bundesland? "Sehr französisch, wenn ich die Kennzeichen bei Aldi auf dem Parkplatz sehe." - Einer der wenigen Gags, die sich Alfons erlaubt. Er ist keine Witz-Lege-Henne, auch kein intellektueller Aphorismus-Produzent. Was denn? Er sagt "Komiker und Clown". Ob er ahnt, dass er damit seinem Vorgänger Hüsch näher kommt als erwartet?

SR-Abende mit Alfons: 27.9.; 17./18. 10; 28./29. 11.

Hintergrund

Der SR ist mit Alfons als Gastgeber sowohl beim Halberger Gesellschaftsabend wie auch im Fernsehen ("Alfons & Gäste") rundum zufrieden. Dies teilten Pressesprecher Peter Meyer wie auch Redakteurin Anette Kührmeyer mit. Laut Kührmeyer ist keine grundlegende Neu-Konzeption des samstäglichen Live-Kabarett-Abends (Radio) vorgesehen. Es bleibe beim SR-"Klassiker". Auch im Fernsehen denkt man nicht an Umwälzung. Durch Alfons habe man eine modernere Anmutung erreicht, sagt Meyer. "Alfons' Engagement wirkt belebend auf den TV-Kabarettplatz am Samstagabend." Die Quote (7 Prozent) stimme. Dennoch ließ der SR offen, ob Alfons über 2008 hinaus als Gastgeber beschäftigt wird. ce