Randale nach Pokal-Sensation Dutzende FCS-Anhänger greifen Polizei an – fünf Einsatzkräfte verletzt, vier Festnahmen

Update | Saarbrücken · Zuerst meldete die Polizei einen friedlichen DFB-Pokal-Abend – dann kam es doch anders. Bei einer schweren Auseinandersetzung mitten in Saarbrücken wurden in der Nacht fünf Einsatzkräfte der Polizei verletzt. Die Gewerkschaft und der saarländische Innenminister verurteilten den Angriff am Donnerstag aufs Schärfste.

Saarbrücken: FCS-Fans greifen Polizei nach Pokal-Sensation an
Foto: BeckerBredel

Noch am Donnerstagmorgen machte es den Anschein, als sei die Feier nach der Pokal-Sensation des FCS gegen Eintracht Frankfurt ruhig verlaufen. Zwischen den Fans sei es zu „gegenseitigen Provokationen“ gekommen, ernsthafte Auseinandersetzungen hätte es aber nicht gegeben. Wie sich am Mittag nach einer erneuten Meldung der Polizei herausstellte, kam es allerdings doch zu einer schweren Auseinandersetzung in Saarbrücken – wenn auch nicht zwischen den Fans.

Große Schlägerei in der Nähe des St. Johanner Marktes nach FCS-Spiel gegen Eintracht Frankfurt

Wie das Landespolizeipräsidium meldet, kam es in der Nacht auf Donnerstag gegen 2 Uhr in einer Gaststätte in der Nähe des St. Johanner Marktes zu Pöbeleien von mehreren FCS-Fans. Eine Schlägerei soll laut Meldung an die Polizei unmittelbar bevorgestanden haben. Mehrere Streifenkommandos der Polizei begaben sich daraufhin direkt an den Markt, identifizierten mithilfe von Gästen die beiden Urheber der Streitereien und brachten sie ins Freie vor die Gaststätte.

Dort soll die Lage dann laut Polizei eskaliert sein: Unvermittelt attackierte einer der beiden Männer, ein 27-Jähriger, die Beamten mit Faustschlägen. Der Angreifer musste fixiert werden. Auch der zweite Mann, ein 32-Jähriger, griff die Beamten dann an. Er wurde ebenfalls fixiert – vorher sahen sich die Beamten allerdings gezwungen, gegen ihn einen Taser einzusetzen.

FCS schlägt Eintracht Frankfurt – die besten Bilder rund um die Pokal-Sensation​
57 Bilder

Der FCS schlägt Eintracht Frankfurt – die besten Bilder rund um die Pokal-Sensation

57 Bilder
Foto: BeckerBredel

Lage eskaliert durch weitere FCS-Fans

Beide Täter wurden durch die eingesetzten Beamten vorläufig festgenommen. Doch hier endete die Situation laut Polizei nicht: Etwa 50 weitere Fans des FCS solidarisierten sich beim Anblick der Festnahme mit den beiden Angreifern und griffen laut Mitteilung des Landespolizeipräsidiums ebenfalls die Polizisten an. Sie bedrängten die Einsatzkräfte und gingen sie auch körperlich an. 30 Einsatzkräfte, darunter auch zwölf Beamte der Bundespolizei, waren nötig, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Im Laufe der Situation wurde unter anderem ein Streifenwagen der Bundespolizei mit einem Bierglas beworfen. Beide festgenommenen Angreifer mussten die Nacht in Gewahrsam verbringen. Den beiden sowie einem weiteren 30-jährigen Saarbrücker wurden Blutproben entnommen. Mehrere Ermittlungsverfahren wurden wegen Widerstand gegen Vollzugsbeamte eingeleitet.

Polizei meldet insgesamt vier Festnahmen

Insgesamt, so zieht das Landespolizeipräsidium Bilanz, wurden bei dem Einsatz fünf Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Saarbrücken-Stadt verletzt. Sie trugen Verletzungen im Gesicht, Prellungen und Schürfwunden davon, waren allerdings noch dienstfähig. Es kam zu vier Festnahmen. Davon wurde eine Person direkt wieder freigelassen, der 30-Jährige wurde nur für die Blutprobe mit auf die Wache genommen und die beiden anderen Angreifer blieben über Nacht in Gewahrsam.

Wie Stephan Laßotta, Sprecher des Landespolizeipräsidiums, am Nachmittag auf Anfrage mitteilt, würden die Ermittlungen in dem Fall weiter laufen – auch gegen weitere der beteiligten FCS-Anhänger könnten also noch Verfahren eröffnet werden.

Innenminister Jost und Gewerkschaft verurteilen Angriffe

Saarlands Innenminister Reinhold Jost (SPD) verurteilte die Angriffe am Donnerstag: „Angriffe auf Einsatzkräfte sind nicht hinnehmbar, auch dann nicht, wenn die Täter alkoholisiert sind. Ich verurteile auf das Schärfste die Angriffe gegen die Beamten, die täglich für unsere Sicherheit sorgen, und fordere eine konsequente Aufarbeitung des Vorfalls durch die Strafverfolgungsbehörden. Gleichzeitig möchte ich den Einsatzkräften für ihren engagierten Einsatz am Tag unseren herzlichen Dank und unsere Anerkennung aussprechen.“

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) äußerte sich am Donnerstag zu den Angriffen. Die größtenteils friedliche Partie im DFB-Pokal sei durch den Angriff der etwa 50 „Randalierer“ überschattet worden. Angriffe auf die Polizei seien auch immer ein Angriff auf die Demokratie. Die Täter müssten mit aller Konsequenz verfolgt werden.

„Gleichzeitig müssen sich Vereine, echte Fußballfans und die Politik mit aller Deutlichkeit gegen diejenigen stellen, die den Sport als Deckmantel für ihr asoziales Verhalten nutzen“, forderte DPolG-Landesvorsitzende Markus Sehn. Derartige Taten hätten negative Folgen für den gesamten Sport. Vereine und „echte Fußballfans“ müssten das verstehen und „geschlossen ächten“.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort