Polizei-Einsatz bis in die Nacht Nazi-Gegröle in St. Wendel und Schiffweiler – Staatsschutz ermittelt gegen junge Leute

St. Wendel/Schiffweiler/Saarbrücken · Mieser Auftritt in St. Wendel und Schiffweiler: Nach Hitlergruß und „Sieg Heil“-Rufen ist jetzt der Staatsschutz am Zug. Dort waren Freitagabend und in der Nacht auf Samstag Gruppen der Polizei aufgefallen, die mit Nazi-Parolen auf sich aufmerksam machten.

 Nach Hitlergruß und „Sieg Heil“-Rufen ist jetzt der Staatsschutz am Zug. (Symbolbild)

Nach Hitlergruß und „Sieg Heil“-Rufen ist jetzt der Staatsschutz am Zug. (Symbolbild)

Foto: dpa/Robert Michael

Gleich zweimal innerhalb kurzer Zeit hat die Polizei im Saarland eingreifen müssen, weil Gruppen mit Nazi-Sprüchen und -gesten aufgeflogen waren. Zu entsprechenden rechtsradikalen Zwischenfällen soll es demzufolge in St. Wendel und Schiffweiler gekommen sein. Deswegen sei nun der Staatsschutz am Zug und ermittle gegen zahlreiche Beteiligte. Dabei handelt es sich nach Aussagen eines Sprechers beim Landespolizeipräsidium in Saarbrücken zumeist um junge Leute. Einige von ihnen seien den Fahndern bereits wegen anderweitiger Verfahren bekannt.

St. Wendel: Arm zum Hitlergruß in die Luft gestreckt

So soll es am späten Freitagabend, 14. Juni, in St. Wendel zum ersten Einsatz gekommen sein. Dabei skandierte eine Menschenmenge mitten in der nordsaarländischen Kreisstadt volksverhetzende Sprüche. Gleichzeitig sollen zumindest einige von ihnen den rechten Arm zum Hitlergruß gereckt haben. Nach weiteren Zeugenberichten der SZ gegenüber führten sie eine große Deutschland-Fahne mit und trugen sie nahe des Domes zur Schau, während sie mit nationalsozialistischen Parolen lautstark auf sich aufmerksam machten.

Ein Kneipenwirt habe daraufhin gegen 22.40 Uhr die Polizei alarmiert. Diese habe dann vor Ort zahlreiche Verdächtige kontrolliert, berichtet Behördensprecher Jan Poß in einer schriftlichen Pressemeldung. Dabei soll es sich um acht Personen handeln. Sie stammten aus dem Landkreis St. Wendel uns sollen zwischen 16 und 27 Jahre sein. Einige von ihnen seien bereits früher schon einmal aufgeflogen. Worum es sich bei diesen Taten gehandelt haben soll, dazu machten die Ermittler auf SZ-Nachfrage keine Angaben.

Zwischenfall ereignet sich kurz nach Ende von Public Viewing in der City

Nach ihrem Auftritt in der City notierten sich die Beamten nicht nur die Personalien, um entsprechende Ermittlungsverfahren einzuleiten. Gleichzeitig verwiesen sie die Beteiligten des Platzes. Kurz zuvor hatte es in unmittelbarer Nähe ein Public Viewing zum Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Schottland (5:1) zur Fußball-Europameisterschaft (EM) gegeben. Nach Polizeiauskunft könnte die Tat im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung stehen.

Anders kurz darauf nur einige Kilometer entfernt ein ähnliches Schauspiel in Schiffweiler. Dort allerdings schien die Ausgangssituation brenzliger und ohne mutmaßliche Verbindung zu dem davor abgepfiffenen EM-Spiel. Gegen 2.50 Uhr in der Nacht zu Samstag habe die Polizei einen Notruf erhalten, dass dort ein Streit zu eskalieren droht. Gleichzeitig sollen auch hier Nazi-Parolen gerufen worden sein. Wie es heißt, sangen vier von ihnen zum populären Popsong „L’amour toujours“ des DJs Gigi D’Agostino den Text, der auch schon in einem Handy-Video auf der Insel Sylt für unrühmliches Aufsehen gesorgt hatte: „Ausländer raus! Deutschland den Deutschen!“ Dabei sei es ebenfalls zum verbotenen Hitlergruß gekommen.

Schiffweiler: „Sieg Heil“-Rufe gegenüber der Polizei

Als die Beamten vor Ort erschienen, hatte der Wirt die Betreffenden bereits hinausgeworfen. Die unerwünschten Gäste sollen sich danach verzogen haben. Vorerst. Denn es sollte nicht lange dauern, bis sie erneut auftauchten. Und auch unter ihnen sei ein der Polizei durchaus Bekannter gewesen, der wegen anderer Verstöße auf sich aufmerksam gemacht hatte. Drei junge Männer (20 bis 23) und eine Frau (19) kehrten zum Ausgangsort zurück.

Zuerst habe es sie offensichtlich recht wenig beeindruckt, dass Polizisten im Lokal waren, die dort den vorherigen Sachverhalt protokollierten. Denn trotz sofortigen Platzverweises seien sie zuerst einmal stoisch geblieben. Schlimmer noch: Sie ließen nicht locker und brüllten erneut verfassungsfeindliche Parolen. Darunter soll der „Sieg Heil“-Ruf gewesen sein. Nun haben auch sie ein entsprechendes Ermittlungsverfahren am Hals. Letztlich folgten sie der Anweisung und machten sich vom Acker.

Am Ende der Verfahren droht sogar Gefängnisstrafe

Die örtlichen Ermittler gaben mittlerweile die Verfahren an die Staatsschutz-Abteilung beim Landespolizeipräsidium ab, wie dessen Sprecher Poß weiter informiert. So gehe es bei den Verfahren um den Verdacht der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Das Gesetz sieht in solchen Fällen bis zu drei Jahre Gefängnis oder Geldstrafe vor.

(hgn)