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Polizei im Saarland rückt häufig zu Verstößen gegen Kontaktverbot aus

Viele Anrufe wegen Kontaktverbot : Polizeigewerkschaft warnt vor Denunziantentum

Muss es immer gleich die 110 sein? Der Chef der deutschen Polizeigewerkschaft ruft zur Mäßigung bei Hinweisen auf das Kontaktverbot auf. Für die saarländische Polizei gehören solche Einsätze zum Alltag.

In einem Facebook-Post ruft die Gewerkschaft der Polizei (GdP) dazu auf, bei Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkung und das Kontaktverbot seltener den Notruf zu wählen. Stattdessen solle man Personen „erst einmal im Privaten“ ansprechen. „In einem höflichen Miteinander kann man sich da schon verständigen, ohne dass man gleich die Polizei ruft", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der GdP, Jörg Radek, der Deutschen Presse-Agentur.

Im Saarland gibt es seit Wochen Anrufe von Privatpersonen, die vermeintliche Verstöße zur Anzeige bringen. Staphan Laßotta, Sprecher des Landespolizeipräsidiums, beziffert die Einsätze der Polizei für den Mittwoch folgendermaßen: „Wir haben 72 Verstöße festgestellt, die als Ordnungswidrigkeit geahndet worden sind. Dazu kamen vier Straftaten und 26 gefahrenabwehrende Maßnahmen.“ Letztere würden immer dann eingeleitet, wenn Personengruppen zusammenstehen würden, allerdings mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Die Beamten weisen in solchen Fällen auf das Abstandsgebot hin. „Daran halten sich die Leute in der Regel dann auch", sagt Laßotta.

Von einem verstärkten Denunziantentum will Laßotta jedoch nicht sprechen. Es gehöre zum normalen Polizeialltag, zu Beschwerdefällen auszurücken. „Die gab es auch in der Zeit vor Corona." Allerdings begründeten die Anrufer ihre Hinweise an die Polizei jetzt nicht mehr damit, sich etwa von Lärm belästigt zu fühlen, sondern mit Verstößen gegen das Kontaktverbot. In vielen Fällen, zu denen die Polizei ausrückt, sind keine Verstöße feststellbar. Diese werden jedoch nicht in einer separaten Statistik aufgeführt, weswegen man sie nicht genau beziffern könne.