1. Blaulicht

Mobiles Corona-Ärzteteam kommt wegen Überbeanspruchung an Grenze

Kostenpflichtiger Inhalt: Großteil der Tests negativ : Mobiles Team kommt an seine Grenzen

Ärzte unter anderem durch übervorsichtige Firmen stark beansprucht. Großteil der Tests fällt negativ aus.

Patienten mit begründetem Verdacht auf eine Corona-Infektion werden im Saarland von einem mobilen Ärzteteam besucht. Die Ärzte kommen zu ihnen nach Hause, nehmen einen Abstrich für das Labor, beraten die Patienten und bitten sie, bis zum Bekanntwerden des Ergebnisses daheim zu bleiben. Der Dienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) kommt jedoch an seine Leistungsgrenze, weil er übermäßig in Anspruch genommen wird.

„Wir werden noch heute ein Eilfax an alle Arztpraxen im Saarland senden, damit die Vorgaben des Robert Koch Instituts für die Indikation eines Tests streng eingehalten werden“, sagt Gunther Hauptmann, der Vorstandsvorsitzende der KV. Er will den mobilen Dienst der Ärzte nicht kollabieren lassen. „Wir werden unter allen Umständen versuchen, den Dienst aufrechtzuerhalten. Wir haben genug Ärzte. Aber wir stellen fest, dass bisher nur zehn Prozent der Tests indiziert sind. Und die nicht indizierten Tests sind auch bislang alle negativ gewesen“, sagt Hauptmann und will, dass die Praxen die Testkriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) strikt einhalten. Der Besuchsdienst kommt nur zu Patienten, für die eine Arztpraxis den Besuch terminiert. Der Test wird über den Hausarzt angeordnet. Demnach muss ein Patient Zeichen eines Infektes aufweisen, direkten Kontakt mit einem Erkrankten gehabt haben oder in einem Risikogebiet gewesen sein. Risikogebiete seien auf der RKI-Webseite genannt. Trotzdem würden Patienten Tests fordern, weil sie etwa „im Landkreis Neunkirchen“ gewesen seien. Das binde unnötig Ressourcen. Solche Patienten würden künftig nicht mehr besucht. „Sie haben auch nicht alle zwei Tage Anspruch auf ein großes Blutbild“, sagt Hauptmann und fordert eine Versachlichung.

Einer der mobilen Ärzte ist Dr. Bernhard Leyking aus St. Ingbert, ein erfahrener Hausarzt, Notarzt, Palliativ- und Reisemediziner im Ruhestand. Er hat sich gemeldet, will seine Kollegen in den Hausarztpraxen entlasten, damit diese Zeit für die kranken Patienten haben. „Gestern bin ich 250 Kilometer gefahren und hab’ im ganzen Land Abstriche vorgenommen. Viele davon sind nicht indiziert gewesen. Wir haben sie trotzdem gemacht.“ Den Kurs der KV, die RKI-Empfehlungen strenger umzusetzen, begrüßt er sehr. „Viele Arbeitgeber haben wirtschaftliche Ängste und setzen Menschen unter Druck, sich testen zu lassen“, so seine Erfahrung. Ein öffentlicher Betrieb in Saarbrücken verlange Tests und schicke seine Mitarbeiter zum Hausarzt, „nur weil der Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen bei einem Schalke-Spiel war. Aber das ist kein Grund, gleich einen Test zu machen“, sagt der erfahrene Arzt. Das mobile Team habe sich bewährt, auch wenn es bislang nur zwei positive Tests gegeben habe. Wenn man Das Team nicht missbrauche, könne es die Corona-Krise auch weiterhin meistern. „Wir Ärzte wollen das Heft in der Hand behalten und unsere Patienten mit unserem langjährigen medizinischen Sachverstand betreuen“, sagt Leyking. Man müsse den Risikopatienten mehr Aufmerksamkeit schenken und in Altenheimen strikte Hygiene einhalten. Dagegen seien Schulschließungen aus seiner Sicht nicht empfehlenswert, die Absage von Großveranstaltungen hingegen eine sinnvolle Maßnahme. „Wir müssen uns auf ältere und vorbelastete Menschen konzentrieren und dort Ansteckungen vermeiden.“

Die Kassenärztliche Vereinigung hat derzeit 16 Ärzte in einem Pool für den Fahrdienst, der aktuell auch an Wochenenden unterwegs ist.