1. Blaulicht

Anrufe in Saarbrücken mit Betrugsmasche „Falsche Polizeibeamte“

Verbrecher haben es am Telefon auf ältere Leute abgesehen : Falsche Polizisten erbeuten im Saarland 400 000 Euro

Ermittler warnen vor einer erneuten Anrufwelle von Trickbetrügern – diesmal im Saarbrücker Stadtgebiet. Zwischen 2016 und Oktober 2019 gab es im Saarland 1653 Fälle. Bei einer einzigen Tat wurde ein Opfer um 240 000 Euro geprellt.

Die saarländische Polizei warnt vor einer erneuten Anrufwelle von Betrügern. Diesmal geht es wieder um die Betrugsmasche „Falsche Polizeibeamte“. Wie die Ermittler auf ihrer Facebook-Seite mitteilen, haben sich am Sonntagabend, 2. Februar, im Saarbrücker Stadtgebiet Anrufe von Trickbetrügern gehäuft. Allein am Sonntag gab es mindestens 16 solcher Fälle, teilt die Polizei auf SZ-Anfrage mit. Die Dunkelziffer dürfte höher sein, weil sich nicht jeder Angerufene bei der Polizei meldet.

„Die Anrufe erfolgen überwiegend auf dem Festnetz“, erklärt Stephan Laßotta vom Landespolizeipräsidium. Die Betrüger suchen sich in der Regel gezielt ein Gebiet aus. Das telefonieren sie dann systematisch ab. Und die Masche der Trickbetrüger, die sie dabei anwenden, ist perfide: Denn sie rufen ihre Opfer mitunter unter der Telefonnummer 110 oder der Nummer der örtlichen Polizeidienststelle an. Möglich ist dies über den Computer und durch entsprechende technische Hilfsmittel. Die Ermittler weisen deshalb daraufhin: „Die Polizei ruft Sie niemals unter der Nummer 110 an. Werden Sie von angeblichen Polizeibeamten angerufen und während des laufenden Telefonats aufgefordert die 110 zu wählen, beenden Sie das Gespräch durch Auflegen.“

Die Zahl der Fälle mit Anrufen von falschen Polizisten steigt im Saarland stetig. 2016 gab es 142 Fälle. 2017 waren es 223. Im Jahr 2018 schnellte die Zahl auf 696 hoch. Und 2019 bearbeitete die saarländische Polizei bis Oktober 592 Fälle. In diesen Fallzahlen ist der „Enkeltrick“ nicht enthalten, bei dem Betrüger sich am Telefon als Verwandte ausgeben und eine Notsituation vortäuschen, um an Geld oder Wertgegenstände ihrer Opfer zu gelangen.

Wie die Ermittler erklären, geben sich die Betrüger in der jüngsten Anrufwelle am Telefon wieder als Polizisten aus. Sie rufen insbesondere ältere Menschen an und erklären ihnen, dass in ihrem Umfeld Einbrüche stattgefunden haben. Die Trickbetrüger behaupten, dass zwar Einbrecher festgenommen wurden. Sie sagen den Angerufenen aber, dass auch sie mögliches Ziel der Einbrecher sind. Dann fragen die angeblichen Polizeibeamten ihre Opfer am Telefon, ob sie zu Hause und auf der Bank Geld, Wertgegenstände oder Schmuck aufbewahren. Zudem fragen die Opfer nach ihrer Lebenssituation aus – also ob sie allein leben. Die echte Polizei erklärt: „Die Polizei wird Sie niemals anrufen und Ihre persönliche Lebenssituation und Ihre finanziellen Verhältnisse erfragen.“

Im weiteren Verlauf des Telefonats versuchen die falschen Polizisten die Angerufenen durch verschiedene Szenarien dazu zu bewegen, Geld oder Wertgegenstände an angeblich von der Polizei beauftragte Abholer auszuhändigen. Wie Laßotta auf SZ-Anfrage mitteilt, kam es im Zeitraum von 2018 bis Oktober 2019 in drei Fällen dazu, dass die Betrüger ihre Opfer zu einer Geldübergabe überreden konnten. Der allein bei diesen drei Taten entstandene Schaden ist enorm. Die Polizei beziffert ihn auf mehr als 400 000 Euro. In einem dieser drei Fälle gelang es einem falschen Polizisten von einem Opfer 240 000 Euro zu erbeuten.

Und auch beim durch die Telefontrickbetrüger entstandenen Schaden gilt: Die Dunkelzimmer ist viel höher. Denn viele Opfer schämen sich, auf einen Trickbetrug reingefallen zu sein – und wenden sich deshalb nicht an die Polizei. Sie vertrauen sich niemandem an, weil es ihnen peinlich ist. Die Polizei rät auch deshalb: „Erhalten Sie einen Anruf eines angeblichen Polizeibeamten, der Ihnen verdächtig erscheint, geben Sie keine Auskünfte auf die gestellten Fragen und beenden Sie das Telefonat. Wenden Sie sich im Anschluss an Ihre zuständige Polizeidienststelle oder wählen Sie den Notruf 110.“

Wer von einem Trickbetrüger angerufen wird, kann sich an jede Dienststelle der Polizei wenden.