"Blaue Plaudereien" über rote Zweiteiler und "ledrige" Haut

Saarbrücken. Wie geweitete Adern scheinen Acryl-Farbschlieren durch die schlanken, jungen Frauenkörper hindurch, die sich auf Judith Sturms großformatigen Bildern an Wände oder über Balkonbrüstungen lehnen

Saarbrücken. Wie geweitete Adern scheinen Acryl-Farbschlieren durch die schlanken, jungen Frauenkörper hindurch, die sich auf Judith Sturms großformatigen Bildern an Wände oder über Balkonbrüstungen lehnen. Sind das nun Anzeichen von "Alterungsprozessen", "Morbidität" oder gar im Gegenteil von "prallem Leben"? Weckt es Assoziationen an Leopardenfell oder eher an "gequälte Frauen"? Oder ist es nur eine abstrakte, informelle Struktur? Darüber gab es am Mittwoch Abend im Künstlerhaus fast so viele Ansichten wie Anwesende. Sehr zur Freude der Saarlouiser Künstlerin, die hier mit dem Musikfestspiel-Leiter und Musiker Robert Leonardy vor ihren Werken über dieselben redete. Bei ihren "Blauen Plaudereien", so der Titel der Veranstaltungsreihe, welche die Landeskunstausstellung begleitet, mischten sich diesmal recht schnell auch die Zuhörer ins Zwiegespräch ein. Was Leonardy, der sich auf dem ihm fremden Terrain der bildenden Kunst insgesamt eher zurückhaltend und lernwillig gab, vermutlich sogar entgegen kam. "Die Thematik Frau habe ich gewählt, weil ich selbst Frau bin", verriet die Künstlerin. Und zu ihrem Schönheitsideal: Allzu "ledrig" solle die Haut auch nicht wirken, denn sie wolle "eine gewisse Pietät wahren". Warum die Damen Bikinis tragen? Weil ein Florida-Aufenthalt sie inspiriert habe, wo frau zwar knapp, aber nie oben ohne gekleidet sein dürfe. Kunst mit Westküsten-FlairAuch das grelle Rot der Zweiteiler, das oftmals mit einem grauen flächigen Hintergrund kontrastiert, sei dem Westküsten-Flair geschuldet, so Sturm, die betont, wie wichtig ihr bei ihren Bildern das Abstrakte und die ausgeklügelte Farbkomposition seien. Nicht nur Leonardy fand es staunenswert, dass sie mit 35 Jahren schon ihren ganz eigenen Stil gefunden habe.

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