Blackmore‘s Leid oder das folkloristische Lied vom gezähmten Rocker

Saarbrücken · Immer wieder überraschend sind die Parallelen von Hippie-Kultur und Mittelalter-Kult, war doch die finstere Zeit alles andere als eine Ära von „Love and Peace“. Dennoch tragen langhaarige Männer heute gerne Kutte und Wams, ihre Frauen Gewänder.

Musikalisch sind Rock und Minnesang schon lange miteinander verheiratet; exemplarisch dafür die Ehe zwischen Sängerin und Ex-Model Candice Night und dem früheren Deep Purple-Gitarristen Ritchie Blackmore, die als Blackmore's Night am Samstag in der Saarbrücker Congresshalle auftraten.

Nach der Vorgruppe Stop at Paris wurde die Geduld der 800 Zuhörer arg auf die Probe gestellt. Erst als nach 30 Minuten erste Buhrufe vertönten, kam die siebenköpfige Band. Während Candice Night als Frontfrau und Sängerin das Publikum mitriss, stand Blackmore fast wie angewurzelt im Hintergrund. Der Deep Purple-Song "Soldier of Fortune" kam mit viel Schwulst und klebrigen Streichern angereichert daher. Überhaupt schien Blackmore's Nights Vorstellung von mediävaler Musik ähnlich verklärt wie das schöngefärbte Bild der Mittelalter-Fans, die zum Konzert vielfach in altertümlicher Kleidung erschienen. Viel Hall lag da auf Nights Stimme, der Violine und der Flöte, gewaltig donnerten da die Trommeln im Stampfrhythmus - das Klangbild erinnerte an osteuropäische Eurovision Song Contest-Beiträge. Während zweier Stücke packte Blackmore die E-Gitarre aus und spielte Bluesrock-Soli mit seinem unverkennbaren Sound, bevor ihn Flöte und Geige wieder zurück ins Folkloristische zwangen. Da tat er einem fast ein wenig leid, der gezähmte Rocker.

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