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Beim Hausbau an die Kinder denken

Saarbrücken. Wer heute einen Neubau von der Stange kauft, bekommt meist den gleichen Grundriss serviert. Neben Wohnzimmer, Küche, Arbeitszimmer und Elternschlafzimmer gibt es meist ein Zimmer mit der Bezeichnung "Kind". War der Architekt Optimist, findet sich ein weiteres Quadrat: "Kind 2" Von unserem Mitarbeiter Kai Althoetmar

Saarbrücken. Wer heute einen Neubau von der Stange kauft, bekommt meist den gleichen Grundriss serviert. Neben Wohnzimmer, Küche, Arbeitszimmer und Elternschlafzimmer gibt es meist ein Zimmer mit der Bezeichnung "Kind". War der Architekt Optimist, findet sich ein weiteres Quadrat: "Kind 2". Der lärmschluckende Teppichboden für das Kinderzimmer kann als Sonderwunsch gebucht werden, die Gartenschaukel gibt's im Baumarkt - fertig ist das "kindgerechte Haus". So einfach ist das aber nicht. Kindgerecht bauen und einrichten bedeutet vor allem, Veränderungen vorauszusehen und flexibel einzuplanen.Kleinkinder bauen Klötzchen und Holzeisenbahn gerne da auf, wo die Eltern sind. Bis ins Grundschulalter brauchen die Kleinen viel Platz zum Spielen, Basteln, Turnen und Tollen. Soll das nicht im Wohnzimmer stattfinden, müssen die Kinderzimmer und die Küche groß genug angelegt werden. Büros und Elternschlafzimmer sollten dafür tabu sein. Wo das Wohnzimmer als Spielort herhält, eignen sich Raumteiler, etwa Bücherregale, die das Spielzeugland abgrenzen. Jugendliche wiederum brauchen ihr eigenes, möglichst abgeschiedenes Revier. Für den späteren Wandel sollten die Eltern flexibel planen. Das heißt, dass die Zimmer über die Jahre ihre Funktion wechseln. Ein Zimmer für jedes Familienmitglied plus Gemeinschaftsbereiche, so berechnet die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen den Raumbedarf einer Familie. Kündigt sich weiterer Nachwuchs und damit Platzmangel an, sollte eher das Elternschlafzimmer als ein Kind in den Hobbyraum wechseln. Die Räume sollen jeweils annähernd gleich groß sein. Dann können die Räume später leichter getauscht werden. Bei der Grundstückswahl empfiehlt Andreas Rietz vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: "Spiel- und Grünflächen, Kindertagesstätten, Schulen, Freizeiteinrichtungen, aber auch Läden, Wohnungen befreundeter Kinder sowie deren Treffpunkte sollten möglichst sicher und eigenständig erreichbar sein. Eine gute Infrastruktur zeichne sich "durch vernetzte Angebote von Freiflächen, Spiel- und Sportbereichen, Betreuungseinrichtungen und Schulen aus, die gut und sicher zu erreichen sind".Wichtig ist ausreichend Tageslicht. Daher sollten Kinderzimmer möglichst nach Süden oder Südwesten ausgerichtet sein. Mit dem Alter legt der Quadratmeterbedarf zu. Betten werden größer, mit der Schulpflicht kommt ein Schreibtisch hinzu. Hochbetten sparen dabei Platz. Stabilität ist bei allen Kindermöbeln eine Grundbedingung. Was schon im Möbelladen quietscht und wackelt, ist absolut tabu.Zwölf bis 15 Quadratmeter sollte ein Kinderzimmer haben - eine Fläche, die sich als Büro, Werkstatt oder Gästezimmer flexibel nutzen lässt, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Bis dahin bieten sich "mitwachsende" Kinder- und Jugendzimmereinrichtungen an, die die Möbelindustrie anbietet.Flexibilität bei der Raumgestaltung schaffen auch ausreichend Steckdosen, die für Kinder gesichert werden müssen, und Telefonanschlüsse in jedem Zimmer. Denn ohne PC und Internet kommen Schulkinder später schwerlich aus.