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Leserbrief
Medien haben Teil am Pessimismus

„Wir Weltmeister im Jammern auf hohem Niveau“, Leitartikel von Stefan Vetter, SZ vom 25. Oktober

Der Leitartikel trifft den Nagel auf den Kopf: Selbst über ein fast volles Glas zu räsonieren, fällt nur uns Deutschen ein. Obwohl es in den letzten Jahren eine Fülle guter Nachrichten gegeben hat, wird geklagt, wie schlecht es uns geht. Obwohl Löhne und Gehälter einschließlich Renten beachtlich gestiegen sind, die Beschäftigung steigt, Steuereinnahmen wachsen, was nur auf hohe Beschäftigung zurückgeführt werden kann, ist die Mehrheit unzufrieden und verunsichert. Zumindest versuchen uns das die Medien (auch die SZ) beizubringen, was Rechts- und Linksaußen gern aufgreifen. (Als in Dresden noch kein Migrant war, formierte sich dort bereits Pegida.) Etwas vermisse ich aber im Leitartikel, nämlich die wirklichen Gründe für dieses – offensichtlich deutschtypische – Verhalten. Ich gehe davon aus, dass zu einem ganz großen Teil die Medien (auch die SZ) ihren Anteil leisten. Wenn täglich über die schlechte Lage berichtet wird, glaubt der Leser nach einer gewissen Zeit an die Meldungen, vor allem an die mit reißerischem Titel, zum Beispiel die Seite A1 der SZ vom 25. Oktober: „Die Deutschen fühlen sich wieder deutlich sicherer.“ In der vergangenen Wochen waren die Meldungen anders. Hat sich das über Nacht geändert?


Karl-Heinz Schönfeld, Neufgrange (F)