Bei Michelin in Homburg läuft's wieder rund

Bei Michelin in Homburg läuft's wieder rund

Cyrille Beau leitet seit vier Monaten das Michelin-Werk in Homburg. Seine Hauptaufgaben sieht er darin, die Produktivität und Flexibilität weiter zu steigern. Die Aussichten für den Standort seien gut, sagt er.

Der Anfang bei Michelin in Homburg war für Cyrille Beau sicherlich leichter als vor Jahren für seine Vorgängerin. "Die Neureifen-Fertigung ist seit Jahresbeginn voll ausgelastet. Wir arbeiten in 21 Schichten sieben Tage in der Woche", sagt der 53-Jährige, der Mitte Februar die Nachfolge von Lisa Janzen angetreten hat. "Die Erstausrüstung (die Fertigung für neue Lkw) zieht mehr als im vergangenen Jahr." Auch der Ersatz sei gut gefragt. 950 000 bis 980 000 neue Lkw-Reifen werde das Werk voraussichtlich in diesem Jahr herstellen, schätzt Beau, der vom Bad Kreuznacher Michelin-Werk, wo er 20 Jahre gearbeitet hat, nach Homburg wechselte. Vor fünf Jahren wurden in Homburg 880 000 Neureifen produziert. Bei der Runderneuerung sind die Zahlen mit 400 000 Reifen stabil.

"Momentan sind die Aussichten für das Werk sehr gut." Und das, obwohl, weltweit betrachtet, die Geschäfte von Michelin mit Lkw-Reifen eher mäßig laufen. Der Umsatz in dieser Sparte stieg nach Konzernangaben im ersten Quartal minimal um 0,8 Prozent auf 1,47 Milliarden Euro, die Menge der ausgelieferten Neureifen war rückläufig.

Als Lisa Janzen Ende 2011 in Homburg die Werksleitung übernommen hatte, war die Lage ungleich schwieriger. Die Auslastung war schwach, der Betrieb meldete Kurzarbeit an. "Jetzt ist das Werk in einer anderen Situation", sagt Beau: Es gehe nicht um Restrukturierung, sondern darum, noch flexibler auf Marktanforderungen zu reagieren und schneller höchste Qualitäten zu liefern. Die Zahl der Mitarbeiter hat im Vergleich zu 2010 sogar zugenommen. Heute beschäftigt Michelin in Homburg 1350 Stammkräfte sowie 150 Leiharbeiter. Vor fünf Jahren waren es 1230 Festangestellte und 100 Leiharbeiter.

Einen Schub - auch in puncto Mitarbeiterzahl - hat dem Homburger Werk die Entscheidung des französischen Konzerns gegeben, in hoch automatisierte Fertigungsanlagen zu investieren: Die erste wurde 2008 in Betrieb genommen, die zweite 2013. Trotz des hohen Lohnniveaus "haben wir in Deutschland durch unsere gute Leistung im Sinne von Produktivität , Qualität, Reaktion auf Marktveränderungen Vorteile. Deswegen ist es attraktiv für die Michelin-Gruppe, in Homburg zu investieren", sagt Beau.

Mit diesen Maschinen lassen sich viel einfacher als zuvor auch kleinere Serien verschiedener Reifengrößen herstellen. "Damit können wir schneller auf Änderungen in der Nachfrage reagieren", sagt Beau. Sein Ziel: Die Modernisierung der Anlagen - auch und gerade mit dieser Fertigungstechnik - solle weitergehen. Michelin hat im vorigen Jahr rund 30 Millionen Euro in Homburg investiert, in diesem Jahr soll es ein Betrag in unterer zweistelliger Millionenhöhe sein.

Im Werk Homburg führt Michelin offenbar gerne Neuerungen ein: So werden hier künftig Reifen mit Datenchips ausgestattet. Diese elektronischen Mini-Geräte erlauben zum Beispiel die Kontrolle von Reifendruck und -temperatur. Die Technik erleichtert es Spediteuren, auf Defekte zu reagieren. "Das ist eine Entwicklung in Richtung intelligente Reifen", sagt Beau. Die Anlage in Homburg , die diese Chips einsetzt, sei der "weltweit erste Prototyp".

Auch auf ganz anderen Feldern ist Homburg Vorreiter. So ist das Werk eine von sechs Pilotfabriken weltweit, in denen Michelin neue Arbeitsformen einführt. Schon bisher ist die Arbeit auf Teams verteilt, künftig soll die Eigenverantwortung der Teams aber noch deutlich steigen. Das Programm startete im Oktober im Bereich Runderneuerung. Beau kann sich gut vorstellen, diese Arbeitsformen im gesamten Werk einführen: Denn "wenn man den Menschen mehr Verantwortung gibt, hat man höhere Zufriedenheit der Mitarbeiter und ein besseres Ergebnis".