| 20:45 Uhr

0:2-Niederlage zum Auftakt
Werkself verliert zum Auftakt in Mönchengladbach – schon wieder

Enttäuschte Mienen bei Dominik Kohr und Trainer Heiko Herrlich nach dem Schlusspfiff.
Enttäuschte Mienen bei Dominik Kohr und Trainer Heiko Herrlich nach dem Schlusspfiff. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Nach der 0:2-Niederlage beim rheinischen Rivalen steht das ambitionierte Team von Trainer Heiko Herrlich wie schon vor zwei Jahren mit leeren Händen da. Ein Elfmeter und eine starke Kombination entschieden die über weite Strecken rassige Partie. Dorian Audersch

Vor dem ersten Samstagabendspiel der Saison 2018/19 gab es reichlich lobende Worte von beiden Rheinseiten. „Leverkusen hat in 20 Jahren 17 Mal im Europapokal gespielt. Das ist eine Mannschaft von europäischem Format“, sagte Borussias Sportdirektor Max Eberl – und Bayers Torwart Ramazan Özcan sprach von einer „Mammutaufgabe“, die auf ihn und sein Team in Mönchengladbach warte. Nach etwas mehr als 90 ereignisreichen Minuten vor 53.000 Zuschauern sollte der Schlussmann recht behalten. Nach der guten Bilanz in der Vorsaison mit drei Siegen gegen die Borussia, startet Bayer diesmal wie schon vor zwei Jahren mit einer Niederlage am Niederrhein in die Liga. Damals gelang aber wenigstens ein Tor. Diesmal blieb es bei einem 0:2 (0:0).


Heiko Herrlichs Startformation hatte eine kleine Überraschung zu bieten: Benjamin Henrichs, der vor einer Woche um eine Freigabe für einen Wechsel zum AS Monaco gebeten hatte und nach wie vor wechselwillig ist, rückte für Sommerzugang Mitchell Weiser in die erste Elf. Hauptgrund für die Entscheidung sei die starke Trainingsleistung des 21-Jährigen, sagte Herrlich vor dem Anpfiff. Henrichs spielt seit 2004 für Bayer 04 und hat alle Jugendmannschaften des Klubs durchlaufen, ehe er zum Bundesligaprofi avancierte.



Dass Lars und Sven Bender nicht dabei sein würden, deutete sich indes bereits unter der Woche an. Die Zwillingsbrüder sind die neusten Zugänge auf der ohnehin schon langen Verletztenliste der Werkself. Dafür etwas überraschend doch im Kader: Charles Aránguiz, der nach wochenlangen Achilles- sowie Kniebeschwerden eine Blitzgenesung hingelegt hat und zunächst auf der Bank platznahm. Kevin Volland führte Leon Bailey, Julian Brandt, Kai Havertz, Jonathan Tah und Co. als Kapitän aufs Spielfeld.

In den ersten Sekunden der Partie waren sich die beiden Fanlager bei aller Rivalität einig wie selten: abwechselnd schmähten sie den Deutschen Fußball-Bund mit Sprechchören, ehe das Geschehen auf dem Rasen die Aufmerksamkeit auf sich zog. Nach einem schönen Seitenwechsel von Havertz auf Leon Bailey versuchte der Jamaikaner im Strafraum, Yann Sommer mit einem Lupfer zu überlisten – eine ebenso dreiste wie harmlose Aktion (6.). Lucas Alario erwischte nur zwei Minuten später eine Hereingabe von links nicht richtig, obwohl er im Fünfmeterraum frei zum Abschluss kam.

Richtig ernst wurde es erstmals in der 17. Minute: Nach einer Ecke für die Hausherren konterte sich Leverkusen ansehnlich über drei, vier Stationen nach vorne, doch Bailey köpfte die Bilderbuch-Flanke von Volland letztlich nur an den Querbalken (17.). Von der Offensivpower des neuen Systems von Dieter Hecking war bis dahin wenig bis gar nichts zu sehen. Stattdessen bestimmten die Gäste die ersten 20 Minuten.

Raffael war es, der sein Team mit dem ersten semigefährlichen Abschluss wachrüttelte, doch der Schuss des Brasilianers aus etwa 14 Metern ging abgefälscht über das Tor (27.). Direkt im Anschluss hatte Jonas Hofmann eine Riesenchance, doch er konnte den im Sechzehnmeterraum vor seine Füße abgeprallten Ball nicht mehr sinnvoll verwerten. Immerhin: Die Borussia tat jetzt deutlich mehr für das Spiel, was auch durch Herrlichs teils wildes Gestikulieren an der Seitenlinie sichtbar wurde.

Seine Spieler schienen ihn verstanden zu haben, denn unmittelbar danach legte Brandt von rechts den Ball flach auf den direkt vor dem Tor lauernden Volland, dessen Schuss in höchster Not von Matthias Ginter geblockt wurde (33.). Die daraus resultierende Ecke blieb folgenlos – im Gegensatz zum Handspiel von Henrichs im eigenen Strafraum, das Schiedsrichter Christian Dingert zum Pfiff zwang. Der 21-Jährige hatte sich bei einem eingesprungenen Klärungsversuch den Ball paradoxerweise selbst an seinen Arm geschossen. Thorgan Hazard trat an, Schoss halbhoch links, und scheiterte an Özcan (38.). So blieb es bis zum Pausenpfiff torlos im Borussia-Park.

Die zweite Halbzeit begann mit zwei Gelben Karten für Dominik Kohr (49.) und Henrichs (51.), die bei ihren Grätschen nach jeweils selbst verschuldeten Ballverlusten zu spät kamen. Kurz danach kam Aleksandar Dragovic im Strafraum zu spät gegen Florian Neuhaus und löste den nächsten Elfmeterpfiff aus. Jonas Hoffmann ließ sich die Gelegenheit zur Führung nicht nehmen (55.). Nur drei Minuten später war Fabian Johnson mit dem zweiten Tor zur Stelle, dem eine sehenswerte Kombination mit Raffael vorausging (58.). Es war die Vorentscheidung.

Die Antwort der Gäste bestand aus einem eigensinnigen Abschluss von Bailey aus der zweiten Reihe, der weit über das Tor Flog (64.). Danach hatten die Gastgeber noch einige gute Gelegenheiten, ihren Vorsprung weiter auszubauen, doch Wendell blockte gleich doppelt gegen Raffael sowie Louis Beyer (70.) – und Havertz spitzelte Johnson den Ball rechtzeitig vom Fuß (74.). Bayer 04 startete in der Schlussphase einige wütende Angriffe, die nichts mehr an der Niederlage zum Auftakt änderten.

Damit steht Herrlichs Elf vor dem Heimspiel am kommenden Samstag gegen den VfL Wolfsburg bereits unter Zugzwang, um einen kompletten Fehlstart in der Liga abzuwenden (15.30 Uhr).