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Nach Glanzleistung in Gladbach
Özcan hebt nur bei seinen Paraden ab

Rückhalt: Ramazan „Rambo“ Özcan parierte nicht nur den Elfmeter von Thorgan Hazard, sondern euch einige Gladbacher Großchancen.
Rückhalt: Ramazan „Rambo“ Özcan parierte nicht nur den Elfmeter von Thorgan Hazard, sondern euch einige Gladbacher Großchancen. FOTO: imago/Uwe Kraft / Uwe Kraft
Der 34-Jährige war bei der 0:2-Auftaktniederlage in Mönchengladbach der überragende Akteur seines Teams – nicht nur wegen des gehaltenen Elfmeters. Die neue Nummer eins der Werkself will er deswegen aber nicht sein. Von Dorian Audersch

Nachdem Ramazan Özcan in der 69. Minute einen Torschuss von Mönchengladbachs Angreifer Raffael sehenswert an den Außenpfosten lenkte und damit die Vorentscheidung verhinderte, folgte ein kurzer emotionaler Ausbruch. Mit geballten Fäusten schrie er die Freude in die Welt hinaus – und auch seinen Frust, denn zu dem Zeitpunkt stand es trotz seines gegen Thorgan Hazard gehaltenen Elfmeters (38.) bereits 0:2 aus Sicht der Werkself. Aufmunternd boxte der 34-Jährige seinem Vordermann Jonathan Tah gegen die Schulter und brüllte anstachelnde Worte an alle über den Platz. Sie verhallten weitgehend ungehört.


Özcan, der bei der Auftaktniederlage mehrfach stark parierte und einen von zwei Elfmetern abwehrte, zeigte in dieser Szene genau das, was Bayer 04 in der schwachen zweiten Halbzeit größtenteils abhanden gekommen war: den Glauben an die eigene Stärke, Selbstbewusstsein und den unbedingten Willen, den Rückstand zu drehen – und eine Führungsfigur, die das Team wachrütteln kann. Mönchengladbach reichten etwa drei Minuten, um zwei Tore zu erzielen und die Partie zu entscheiden. Erst war es Jonas Hofmann per Elfmeter (55.) und dann Fabian Johnson nach starker Kombination (58.).

Für ihn war es ein Spiel, in dem er sich trotz Niederlage auszeichnen konnte – wie schon beim 0:4 in Dortmund vergangene Saison, wo er ebenfalls einen Strafstoß und einige gute Gelegenheiten parierte. Dass Bayer heute wie damals mit leeren Händen dasteht, bezeichnete Özcan als „unnötig“. Eigentlich seien er und seine Mannschaft gut ins Spiel gekommen und hätten drei große Chancen vergeben. „Dann haben wir eine kurze Phase, in der wir die Konzentration und die Ordnung verlieren.“



Gemeint sind die rund 20 Minuten nach der Halbzeit, die letztlich einem Erfolgserlebnis zum Ligastart im Weg standen. Seine Vorderleute an den Pranger stellen wollte der Schlussmann aber nicht. „Fehler passieren immer wieder, sonst würden gar keine Tore fallen. Ich will den Jungs gar nichts vorwerfen. Wir werden das analysieren und dürfen die Köpfe nicht hängen lassen.“ Aus seiner Topleistung leitet der eigentliche Ersatzmann des noch an den Folgen einer Kiefer-OP laborierenden Lukas Hradecky keine Ansprüche ab. Die Frage der Nummer eins für den Posten zwischen den Pfosten sei längst beantwortet. „Es gibt eine klare Torwarthierarchie bei Bayer Leverkusen und die wird auch bestehen bleiben“, betonte Özcan. „Wir haben alle das gleiche Wappen auf der Brust und wenn ich spiele, will ich alles für die Mannschaft geben.“

Im Training will der 34-Jährige mit Blick auf das erste Heimspiel der Saison am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr) dafür sorgen, dass die zweite Niederlage in Folge zum Ligastart nur ein theoretisches Schreckgespenst bleibt. „Ich stelle mich am Montag in die Kiste und lasse die Jungs auf mich ballern, bis der Knoten wieder platzt“, kündigte er an. „Ich würde mich für unsere Stürmer freuen, wenn sie sich für ihre Laufarbeit belohnen würden.“

Auch Trainer Heiko Herrlich haderte mit der mangelhaften Chancenverwertung seines Teams. „Wenn wir uns drei, vier gute Torchancen in Mönchengladbach erarbeiten und die dann nicht reinmachen, können wir natürlich auch nichts mitnehmen“, sagte der 46-Jährige. Die Werkself habe das Spiel wegen der schwachen Phase nach der Halbzeit „verschenkt“.