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Pokalhit gegen Bayern München
Darum könnte Bayer den Coup schaffen

Leverkusen. Bayer Leverkusen oder Bayern München? Heute Abend entscheidet sich, wer in das Finale des 75. DFB-Pokals einzieht. Die Werkself ist in dem ungleichen Duell freilich der Außenseiter, aber keineswegs chancenlos. Dorian Audersch und Sebastian Bergmann

Bayer Leverkusen oder Bayern München? Am Dienstag (20.45 Uhr) entscheidet sich, wer in das Finale des 75. DFB-Pokals einzieht. Die Werkself ist in dem ungleichen Duell freilich der Außenseiter, aber keineswegs chancenlos.


Fußballdeutschland ist sich vor dem ersten Pokalhalbfinale am Dienstagabend weitgehend einig: Das wird eine klare Sache. Bayer Leverkusen bleibt im Heimspiel gegen den FC Bayern München höchstens die Außenseiterrolle. Zu souverän, zu fokussiert und schlichtweg zu gut präsentierte sich der Rekordmeister in den vergangenen Wochen. Klubs wie Mönchengladbach, Dortmund oder Augsburg schüttelte die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes in der Liga wie lästige Fliegen ab.

Allen Unkenrufen zum Trotz wird die von Heiko Herrlich trainierte Werkself dennoch alle Hebel in Bewegung setzen, um den ersten Finaleinzug seit 2009 zu schaffen. Damals wurde München im Viertelfinale mit einem 4:2-Sieg nach Hause geschickt - und es gibt gute Gründe, warum Leverkusen Fußballdeutschland erneut schocken kann.

Formstärke Ja, der FC Bayern reist nach dem Gewinn der sechsten deutschen Meisterschaft in Folge sowie dem Einzug ins Halbfinale der Champions League selbstbewusst ins Rheinland. Doch auch die Hausherren sind in Fahrt gekommen. Zuletzt fegten die Leverkusener Leipzig und Frankfurt binnen sechs Tagen mit 4:1 weg. Pünktlich zur entscheidenden Phase der Saison ist Bayer 04 in Topform. "Wir müssen gegen die Bayern alles richtig machen - sonst scheppert's", sagt Kevin Volland, Hattrick-Schütze gegen Eintracht Frankfurt. Angst verspürt der 25-Jährige aber nicht. Im Gegenteil: "Jetzt kommen die Bayern, und dieses Spiel müssen wir genießen. Wir freuen uns seit Wochen darauf und wissen, was in uns steckt."

Titelhunger Die Bayern haben aktuell ein Abo auf die Meisterschaft. Daher ist der Pokal für Bayer der wohl realistischste Weg, um den nächsten Titel auf den relativ leeren Vereinswimpel drucken zu können - abgesehen vom Uefa-Cup 1988 und dem Pokalsieg 1993. Sowohl Julian Brandt als auch Jonathan Tah betonten zuletzt, dass sie mit der Mannschaft Titel gewinnen wollen. Ein Sieg heute wäre ein großer Schritt dahin. "Wir wollen uns den Traum von Berlin erfüllen", sagt Brandt. Vor seiner Vertragsverlängerung wurde er mit einem Wechsel nach München in Verbindung gebracht. "In der Liga haben wir zwei Mal gegen die Bayern verloren, aber jeweils eine beachtliche Leistung geboten." Im dritten Versuch soll es mit einem Sieg klappen. "Dreimal ist Bremer Recht", betont der gebürtige Bremer.



Emotionen In keinem anderen Wettbewerb spielen Gefühle eine so große Rolle wie im Pokal. Während die Liga mit ihren 34 Spielen eher einem Marathon gleicht und die Champions League bis zum Finale mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, ist der Wettbewerb des DFB ein K.o.-Festival, in dem Fehler nicht ausgebügelt werden können. An einem guten Tag sind auch die Bayern für Leverkusen verwundbar. Herrlich appelliert: "Ein Pokalsieg ist ein bleibender Wert, ein Reichtum, der nichts mit materiellen Dingen zu tun hat. Das ist etwas für die Ewigkeit, das bleibt immer - wie die Freude, die man miteinander teilt, wenn man sich in die Augen schaut und weiß: Wir haben es gemeinsam geschafft."